Potsdam-Mittelmark : 30 neue Wohnungen auf der Jugendhöhe

Die Werderaner HGW will alten Kindergarten abreißen und dort bauen. Geld vom Land gibt es dafür kaum

Reif für den Abriss. Der ehemalige Kindergarten soll im Februar abgerissen werden.
Reif für den Abriss. Der ehemalige Kindergarten soll im Februar abgerissen werden.Foto: hkx

Werder (Havel) - Die Haus- und Grundstücksgesellschaft Werder (HGW) will den ehemaligen Kindergarten in der Schubertstraße abreißen und auf dem Gelände auf der Jugendhöhe neue Wohnungen bauen. Das sagte Thomas Lück, Geschäftsführer der HGW, am gestrigen Dienstag.

Der Plattenbau, der seit etwa 20 Jahren nicht mehr genutzt wird, soll Lück zufolge im Februar abgerissen werden. Seit Jahren habe die Gesellschaft Pläne, dort 30 Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern unterzubringen, nun habe man das nötige Kapital von vier Millionen Euro zusammen. Wie genau der Neubau aussehen soll, ob als u-förmiges Ensemble oder fünfgeschossiges einzelnes Haus, ist Lück zufolge bisher unklar. Die Pläne sollen in den nächsten Wochen konkretisiert werden. „Wir streben eine Baugenehmigung vor Jahresende an“, so Lück gestern am Rande der Verleihung des Qualitätssiegels „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“ des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen.

Die Auszeichnung hat die HGW für die Sanierung des Wohnhauses in der Phöbener Straße 105 erhalten. Die Gesellschaft kaufte das Haus, das 1925 erbaut wurde und zuletzt mehrere Jahre lang leer stand, im Jahr 2008 und entkernte es komplett. Aus den ehemals drei großen Wohneinheiten wurden sechs Single-Wohnungen, die im Oktober 2010 fertiggestellt wurden. In den Umbau investierte die HGW 250 000 Euro Eigenkapital, dazu kamen noch einmal 100 000 Euro an Krediten.

„In Werder wird der Druck auf den Wohnungsmarkt immer größer, da ist der Wohnraum in günstiger Lage direkt am Bahnhof besonders wichtig“, begründet die Schirmherrin des Qualitätssiegels, Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos), die Auszeichnung. Mit dem Siegel soll zudem gewürdigt werden, dass die HGW nicht nur Wohnungen baut, sondern auch einen Kindergarten in Töplitz für die Stadt errichtet hat und ein Feuerwehrhaus in dem Werderaner Ortsteil bauen will. Der Bauantrag wurde vor wenigen Tagen gestellt.

Für die HGW war es gestern bereits die zweite Auszeichnung durch den Unternehmensverband, für die Bebauung einer Lücke am Marktplatz auf der Insel erhielt das Unternehmen schon einmal ein Qualitätssiegel. Dort entstanden drei neue Mehrfamilienhäuser.

Laut Ministerin Schneider ist das Land beim Wohnungsbau auf die Hilfe von privaten und kommunalen Unternehmen wie der HGW angewiesen, um das Problem fehlender Wohnungen zu lösen. „Wir haben jährlich 40 Millionen Euro für die Wohnungsbauförderung zur Verfügung, damit können wir den Druck auf dem Markt nicht allein mildern“, so Schneider. Sie betonte aber, dass seit der Wiedervereinigung 75 Millionen Euro an Wohnungsbauförderung nach Werder geflossen sind, von denen 1200 Wohnungen gebaut werden konnten. Dazu kamen noch einmal 24 Millionen Euro aus dem Programm der Städtebauförderung.

Trotzdem ist der Wohnungsmarkt der Stadt weiter angespannt, und das Problem könnte Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) zufolge in diesem Jahr weiter wachsen: Für viele Wohnungen unter anderem in der alten Fliegersiedlung und im Scheunhornweg, deren Bau mit Landesdarlehen gefördert wurde, laufe die Belegungsbindung aus. Derzeit würden dort etwa sechs Euro Kaltmiete pro Quadratmeter gefordert. „Bei Neuvermietungen könnten die Mieten bald sprunghaft ansteigen“, so Saß.

Ihr neuer Beigeordneter, Christian Große (CDU), forderte die Ministerin wegen der hohen Werderaner Mieten auf, Wohnungsbau nicht wie derzeit durch günstige Kreditvergaben zu fördern, sondern klassische Förderung mit Bauzuschüssen zu betreiben. Kredite seien schließlich angesichts der aktuellen Lage der Finanzmärkte ohnehin günstig zu bekommen. Die Stadt Werder unterstütze die HGW unter anderem dadurch, dass sie Bauaufträge wie die Töplitzer Kita oder Feuerwehr an das Unternehmen vergibt. Die daraus entstehenden Gewinne könnten Große zufolge für den Wohnungsbau eingesetzt werden.

So will die HGW neben den Wohnungen auf der Jugendhöhe nach und nach weitere Wohnungen anbieten, indem unter anderem die Bebauung im Wohngebiet Am Finkenberg verdichtet wird. Am Montag beginnt zudem der Umbau der Stadtvilla, Unter den Linden 14, auch dort werden neue Wohnungen entstehen (PNN berichteten). Enrico Bellin