120 Jahre Feuerwehr Beelitz : Eimer gegen Flammen

Die Feuerwehr Beelitz feiert in diesem Jahr ihr 120-jähriges Jubiläum. Ein Blick zurück.

Stefan Kahlau

Beelitz – Wenn es früher in Beelitz brannte, mussten die Bürger selbst mit Leiterwagen und Löscheimern ausrücken. Schlimme Folgen konnten damit freilich nicht immer verhindert werden: Einem Großbrand am 5. Oktober 1847 fielen knapp 50 Scheunen im Großen Anger zum Opfer. „Der Feuerschein wurde bis nach Potsdam hin leuchtend gesehen“, vermerkte Stadtchronist Carl Schneider. Die Brandbekämpfer hätten aufgrund der Hitze und des Wassermangels nichts ausrichten können. Ein weiterer Grund mag ein gewisses Durcheinander gewesen sein: Obwohl die Zuständigkeiten in der „Feuer-, Polizei– und Löschordnung“ klar geregelt waren, schickten oft Bauern ihre Knechte und Handwerker ihre Gesellen, um für sie den Pflichtdienst zu übernehmen.

Um dies zu verhindern, wurde auf Initiative des Bürgermeisters Gustav Nürnberg 1896 die Freiwillige Feuerwehr gegründet – ein Ereignis, das die heutige Beelitzer Ortswehr im vergangenen Monat feierte, und das dem Beelitzer Stadtsprecher Thomas Lähns Anlass gab, einen Blick zurück auf deren wechselvolle Geschichte zu werfen. Diese hat Wolfgang Kotsch, Hauptlöschmeister und Mitglied der Truppe seit 1994, in einer Chronik festgehalten. „Einen Aufruf zur Gründung hatte es bereits 1891 gegeben, der stand damals in der Beelitzer Zeitung“, so Kotsch. Aber vermutlich seien nicht genug Freiwillige zusammengekommen.

Die Gründungsversammlung fünf Jahre später zählte dann schon 40 Mitglieder. Die erste „Feuerprobe“ war ein Brand im Kesselhaus der Dampfschneidemühle 1899: Schon bald sei die Feuerwehr „des vernichtenden Elements Herr“ gewesen, lobte die Beelitzer Zeitung. 1903 wurde das Gerätehaus am Kirchplatz in Dienst gestellt. Die Zahl der aktiven Kameraden wuchs bis 1914 auf knapp hundert. In der Weimarer Republik blühte die Beelitzer Feuerwehr auf. Dies lag laut Kotsch vor allem an ihrem neuen Oberführer, dem Uhrmacher Gustav Linke. Durch ihn habe „die Beelitzer als die zweite Feuerwehr im Landkreis ein eigenes Fahrzeug“ bekommen.

Als im Zweiten Weltkrieg die meisten männlichen Kameraden eingezogen wurden, entstanden die ersten Frauenmannschaften. „Die mussten vor allem nach Bombenangriffen löschen“, so Kotsch. Bis nach Dresden seien sie im Februar 1945 ausgerückt. Gegen Kriegsende wurden die Fahrzeuge der Feuerwehr nach Westen geschafft, um sie vor der Roten Armee zu retten. Den Beelitzern blieb allein die alte Automobilspritze „Königin Luise“, die 1954 ein Opel „Blitz“ ablöste.

In den wiederholten Waldbränden in den 1970ern, wie dem am 10. Mai 1976 zwischen Neuseddin und Ferch, standen die Beelitzer Feuerwehrleute mit an vorderster Front. Nach der Wende schaffte die Feuerwehr Beelitz neue Technik an und bezog 1994 das heutige Gerätehaus in der Berliner Straße. Zehn Jahre später erfolgte die Eingliederung in die Stadtwehr Beelitz.

Heute hat die Freiwillige Feuerwehr Beelitz 42 aktive Mitglieder sowie 14 weitere in der Alters– und Ehrenabteilung. Die 1994 gegründete Jugendfeuerwehr zählt 14 Mitglieder. 2012 wurde zudem eine Kinderfeuerwehr gegründet, in der 16 Kinder zwischen 6 und 10 Jahren an das Thema Brandschutz herangeführt werden. Im Jahr 2015 absolvierten die Beelitzer Feuerwehrleute 244 Einsätze, darunter 63 Brände, 35 Verkehrsunfälle und 53 Unwetterschäden. Weitere Herausforderungen warten.Stefan Kahlau