Neue Führung nach Corona-Ausbruch : Neuanfang im Potsdamer Bergmann-Klinikum

Grebner und Fischer legen die Geschäftsführung nieder, das Interims-Duo übernimmt. Schmidt wird Sprecher der Geschäftsführung, gegen Steckel gibt es offenbar ungeklärte Vorwürfe in Zusammenhang mit Ermittlungen.

Hans-Ulrich Schmidt (l.) und Tim Steckel, Geschäftsführer des Bergmann-Klinikums.
Hans-Ulrich Schmidt (l.) und Tim Steckel, Geschäftsführer des Bergmann-Klinikums.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Steffen Grebner und Dorothea Fischer räumen die Chefposten des kommunalen Potsdamer Klinikums „Ernst von Bergmann“. Beide würden Ende November die Geschäftsführung des Bergmann-Konzerns mit rund 4500 Mitarbeitern niederlegen, teilte das Rathaus am Mittwochabend mit. Neuer Sprecher der Geschäftsführung ist ab 2021 und für die kommenden fünf Jahre der bisherige Interimschef Hans-Ulrich Schmidt. Der zweite Interimschef Tim Steckel werde die Chef-Funktion für zunächst sechs Monate weiter vorübergehend übernehmen. Das teilte das Klinikum am Abend mit.

Der Ausbruch im Frühjahr

Nach dem schweren Corona-Ausbruch im Bergmann-Klinikum im Frühjahr mit zahlreichen Toten hatte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) als Gesellschaftervertreter Grebner und Fischer Ende April für zunächst sechs Monate beurlaubt, weil die Stadt Verfehlungen beim Umgang mit dem Ausbruch vermutet hatte. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft hat später Ermittlungen gegen Grebner, die medizinische Geschäftsführerin Fischer sowie drei leitende Ärzte unter anderem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung aufgenommen. Diese dauerten zuletzt weiterhin an.

Die Konditionen des Abschieds sind unklar

Zudem hat im Auftrag des Klinikum-Aufsichtsrat eine Untersuchungskommission die Arbeit aufgenommen, welche unter anderem die Umstände des Ausbruchs aufklären soll. Das Ergebnis wird Mitte Dezember erwartet.

Die erst im November 2019 berufene medizinische Geschäftsführerin Fischer bleibe weiterhin Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, so die Stadt. Die Geschäftsführung lege Fischer „aufgrund organisatorischer Erfordernisse“ nieder.

Am Abend wurde auch klar, zu welchen Konditionen zumindest Grebner den Geschäftsführerposten räumt – dem Vernehmen nach geht es um eine Abfindung in Gesamthöhe von rund 460 000 Euro, wie mehrere Quellen den PNN bestätigten. Die Summe steht unter dem Vorbehalt der laufenden Ermittlungen zum Corona-Ausbruch. 

Oberbürgermeister Schubert dankte Grebner, der 13 Jahre Bergmann-Chef war, für seine „langjährige erfolgreiche Tätigkeit“. Er habe "maßgeblichen Anteil am Erhalt des Hauses in kommunaler Trägerschaft". Grebner wiederum dankte in einer Mitteilung Mitarbeitenden und Geschäftspartnern für für ihre Unterstützung, ihren Einsatz und die konstruktiven Auseinandersetzungen

Vorwurf gegen Steckel

Getrübt wird die Nachricht des Neustart von einem überraschenden Umstand: Das Klinikum teilte mit, Tim Steckel habe darum gebeten, die Funktion des Geschäftsführers zunächst für sechs Monate weiterhin interimistisch wahrzunehmen. Anlass: Ein aus seiner Sicht "inhaltlich völlig haltloser Vorwurf" im sogenannten Remicade-Komplex, der sich auf angebliche Handlungen aus dem Jahr 2011 beziehe, solle auch rechtlich ausgeräumt werden. Das bezieht sich auf laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Potsdam im Zusammenhang mit einem mutmaßlich millionenschweren Abrechnungsbetrug mit teuren Medikamenten. 

Das Bergmann-Klinikum in Potsdam.
Das Bergmann-Klinikum in Potsdam.Foto: Sebastian Gabsch

Dabei ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen eine zweistellige Zahl von Beschuldigten, auch am Klinikum. So besteht der Verdacht, dass kostspielige Medikamente wie die entzündungshemmende Arznei Remicade doppelt abgerechnet worden sind – zum Vorteil von Medizinern und Apothekern, zum Nachtteil der Krankenkassen und damit auch der Versicherten. Dabei waren auch renommierte Chefärzte im Klinikums ins Visier der Ermittler geraten, vor drei Jahren gab es vor Ort auch eine Hausdurchsuchung.

Das Klinikum erklärte jetzt, Steckel sei ein nicht näher benannter Vorwurf in dem Zusammenhang erst Mitte November 2020 zur Kenntnis gelangt. Der Aufsichtsrat habe den Wunsch Steckels, vor einer ordentlichen Bestellung den Vorwurf auch rechtlich auszuräumen, mit Respekt zur Kenntnis genommen.