Lesermeinung : Wo sind die Brüche bei der Frauenkirche?

Modell der Garnisonkirche.
Modell der Garnisonkirche.Foto: A. Klaer

„Bischof lehnt originale Garnisonkirche ab“

vom 13. November

Landesbischof Dröge spricht sich gegen den originalgetreuen Wiederaufbau der Heilig-Kreuz-Kirche aus. Es sagt: „Das Gesamtkonzept müsste neben der historischen Kontinuität durch den Wiederaufbau des Turmes auch den Bruch mit der Tradition zum Ausdruck bringen. Denn ein neuer Geist braucht auch ein erkennbar neues Haus.“

Es ist schon bezeichnend und erschreckend, dass sich ein Landesbischof offensichtlich nicht mit der Geschichte dieses Gotteshauses befasst hat. Hätte er dies je getan, dann wüsste er, dass nach dem Krieg die Gemeindemitglieder die ehemalige Garnisonkirche in Heilig-Kreuz- Kirche umbenannt haben, und damit schon vor 65 Jahren zum Ausdruck gebracht haben, dass der einzige Geist in einer Kirche eben nicht der politisch opportune Zeitgeist ist, sondern nur der Geist des Evangeliums sein kann. Welchen „neuen Geist“ Herr Dröge dort statt des Evangeliums einziehen lassen will, ist mir als Christ von daher völlig unverständlich. Seit 1950 war die Kirchenleitung bereits damit befasst, zuerst die Nikolaikirche und später die Heilig- Kreuz-Kirche originalgetreu wieder aufzubauen. Und dies ohne überhaupt auf die absurde Idee zu kommen, den Menschen zwanghaft-neurotisch die „Brüche der Geschichte“ sichtbar machen zu müssen. Das musste man nach dem Krieg niemandem zeigen, dies wird für alle Zeiten unauslöschlich bleiben.

Es ist auch sehr merkwürdig, dass die EKD beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche keine sichtbaren „Brüche der Geschichte“ gefordert hat. Im Gegenteil, bis ins allerletzte Barockdetail wurde ihre wundervolle Schönheit wieder für die Menschen erlebbar gemacht. Und dies obwohl die Frauenkirche in der Nazizeit sehr viel schwerer belastet war als der „Dom der Deutschen“, in dem die nazitreuen „deutschen Christen“ mit Bibel und „Mein Kampf“ auf dem Altar keine Probleme hatten.

Was sagt denn Herr Dröge eigentlich dazu? Warum war dies bei der Frauenkirche egal und bei der Heilig-Kreuz-Kirche nicht? Die Antwort wird wohl ausbleiben. Die Einnahmen sprudeln ja jetzt fleißig Geld in die Kirchenkasse.

Es wäre für alle 15 000 Unterstützer und die Mehrheit der Potsdamer Bürger, die sich seit vielen Jahren für den originalgetreuen Wiederaufbau der Kirche eingesetzt haben, ein Schlag ins Gesicht, wenn irgendein Hybrid-Konstrukt diesen Ort restlos ruinieren würde. Schließlich stand dieses Bauwerk zu Recht auf der Denkmalliste der DDR und gilt auch heute für die Bundesregierung als „ein Wiederaufbauwerk von nationaler Bedeutung“.

Frank Paul, Potsdam