Lesermeinung : Testament gilt auch nach Jahren noch

Es mag glücklich stimmen, ein Testament aufzufinden, das einen als Alleinerben ausweist. Aber nützt es noch etwas, wenn das Testament erst 20 Jahre nach dem Tod aufgefunden wird? Unter Umständen schon, wie der Deutsche Anwaltverein mit Blick auf ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt am Main (Az.: 20 W 251/14) berichtet.

In dem Fall war die 1991 Verstorbene geschieden und hinterließ drei Kinder, worauf den Kindern ein gemeinsamer Erbschein erteilt wird. Zwanzig Jahre später findet ein Sohn ein handgeschriebenes Testament, das seine Mutter offenbar kurz vor ihrem Tod verfasst hat. Hierin ist der Sohn zum Alleinerben bestimmt. Er beantragt darauf einen Alleinerbschein. Seine Geschwister haben Zweifel, ob das Testament echt ist. Schließlich sei es erst 20 Jahre nach dem Tod der Mutter plötzlich „aufgetaucht“ und nachdem ihnen das Nachlassgericht einen gemeinsamen Erbschein erteilt hat. Außerdem habe der angeblich als Alleinerbe eingesetzte Sohn längere Zeit vor ihrem Tod keinen Kontakt mehr zur Mutter gehabt. Sie beantragen, ein Sachverständigengutachten zur Echtheit des Testaments einzuholen. Ohne Erfolg: Das Nachlassgericht stellte dem Sohn einen Alleinerbschein aus, ohne ein Gutachten einzuholen. Zu Recht, entschied das OLG. Es ist hinreichend, wenn sich durch Anhörung der Beteiligten, Ansicht von Schriftproben der Verstorbenen und Rückfrage bei Urkundensachverständigen eine Überzeugung bildet, dass das Testament echt ist. dpa