Lesermeinung : Teltower Hafen: Gelände mit Schutt abgefüllt

„Altlasten im Hafenbecken“, Potsdam-Mittelmark, 2. Dezember 2014

Beim Lesen drängten sich persönliche Erinnerungen hervor. Mein Jahrgang erlebte noch die fortschrittliche Kanalschifffahrt des Teltowkanals, gezogen von elektrischen Treidelbahnlokomotiven. Das war ökologisch und kostensparend. Die Uferbefestigung war wegen fehlendem Schrauben-Antrieb der Schiffe leichter und natürlicher. Oberhalb der Kanalböschung waren auf einem breiten „Uferweg“ die Schienen dafür verlegt. Als die DDR den Teltowkanal zur Staatsgrenze erklärte, schuf sie auf breitem Streifen ihre berüchtigten Grenzanlagen, um das Entkommen ihrer Bürger zu verhindern. Ablagerungen vom Betonwerk waren dort ausgeschlossen. Im angrenzenden Betonwerk wurden von da an nur noch ausgesuchte Kräfte beschäftigt. In diesem Bereich endeten mehrere Fluchtversuche tödlich. Nach der friedlichen Revolution nutzte ich gleich die Gelegenheit, den aktuellen Zustand dieses Kanalabschnitts zu erkunden. Bei einem zweiten Besuch wunderte ich mich über eine direkt an der Kanalböschung eingegrabene Reihe von über fünf Meter hohen Eisenrohren in Abständen von Zaunpfählen. Später klärte sich das auf: Es war das von der Grenze des Betonwerks abfallende Gelände mit großen Betonteilen und Schutt aufgefüllt worden – anscheinend um das Betriebsgelände zu vergrößern. Die Zaunpfähle ragten nur noch in normaler Höhe heraus. Man muss vermuten, dass sich durch diesen Handstreich der heutige Kaufpreis für das Marina-Gelände sowie die Kosten für die Altlastenbeseitigung enorm erhöhten. Ich hoffe, dass sich bei gutem Willen die Zuordnung der Flächen und der Verursacher der Altlastenentsorgung noch klären lassen, um die kommunalen Kassen zu entlasten.

Peter Ernst, Güterfelde