Lesermeinung : Stiftung soll Rolle der Parks akzeptieren

„Kaputtgebadet“ vom 13. Juni

Die Schlösserstiftung beschwert sich über das Nutzungsverhalten der Bürgerinnen und Bürger in ihren Parks, insbesondere im Neuen Garten. Nunmehr drohe sogar der Verlust des Status als Weltkulturerbe, als sei das Baden im Heiligen See vergleichbar mit dem Bau der Waldschlösschenbrücke in Dresden. Die Kritik der Stiftung ist nicht neu: Unvergessen das rabiate Vorgehen gegen Radfahrer im Jahr 2010, das mit der Einführung des bundesweit belächelten Wortungetüms „Fahrrad-Schiebestrecke“ endete. Jetzt macht die Stiftung anscheinend einen neuen, öffentlichkeitswirksamen Vorstoß, um Potsdams Bürgerinnen und Bürger aus ihren Parks zu vertreiben. Berührt ist eine grundsätzliche Frage: Sind unsere Parks museale Einrichtungen, die zahlungskräftigen Touristen zum gemächlichen Spaziergang vorbehalten sein sollen? Oder sind diese Parks Teil unserer lebendigen Stadt, die neben den Touristen auch und besonders Potsdams Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen und von diesen genutzt werden? Die Stiftung spricht sich offensichtlich für Ersteres aus. Tatsächlich füllen unsere Parks eine vielschichtige Funktion aus. Sie sind Weltkulturerbe und Touristenmagnet, aber sie sind auch Nacherholungsstätte, Freizeitort und – nicht zu unterschätzen – Verkehrsweg. Die Stiftung wäre gut beraten, auch diese Rolle der Parks zu akzeptieren und offensiv anzugehen. Natürlich hinterlassen 4000 Menschen an einem schönen Sonnentag im Neuen Garten Spuren. Anstatt neuer Verbote wäre die richtige Antwort jedoch: Aufstellen von genügend Mülleimern (und regelmäßige Entleerung), Ausweisung und Pflege weiterer Fahrradwege und auch das Aufstellen von Fahrradständern, z.B. am Marmorpalais, wo an einem schönen Sommertag zahlreiche Palais-Besucher ihre Fahrräder wild abstellen. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat es seinerzeit begrüßt, dass der Weg zwischen Gotischer Bibliothek und Treffpunkt Freizeit als Radweg freigegeben wurde. Damit hatten Radfahrer endlich eine Ausweichstrecke zur vielbefahrenen Behlertstraße. Unverständlich war jedoch, warum dieser Weg lediglich mit einer wassergebundenen Decke versehen wurde. Bereits nach den ersten Regenfällen war der Weg für Radfahrer praktisch unbefahrbar. Da erscheint es scheinheilig, wenn die Stiftung sich heute darüber beklagt, dass dieser Weg schon wieder „schwer beschädigt“ sei. Hätte man ihn seinerzeit mit einer dezenten, beigefarbenen Asphaltdecke versehen, bestünden die Probleme heute nicht.

Es bleibt zu hoffen, dass die Stiftung nicht wieder einen realitätsfernen, nicht zu gewinnenden Konflikt mit Potsdams Bevölkerung schürt. Vielmehr ist der Stiftung anzuraten, die Parknutzung orientiert an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger Potsdams weiterzuentwickeln. Ein nächster Schritt wäre die dringend erforderliche Nord-Süd-Querung des Park Sanssouci für Radfahrer.

Marc Nellen Vorsitzender des VCD Brandenburg e.V.