Lesermeinung : Nachholbedarf?

Zu „In die Offensive“ vom 19. Januar

Sie vertreten die Auffassung, das Potsdam Museum habe im Vergleich zum soeben fertiggestellten privaten Museum Barberini „Nachholbedarf“ und müsse „in die Offensive“ gehen. Ich kenne das Museumsteam um Jutta Götzmann aus enger Zusammenarbeit und weiß, dass hier eine vitale, engagierte und hochprofessionelle Truppe in den zurückliegenden Jahren einen fundamentalen Wandel in der Konzeption und Außenwirkung des Museums vollzieht – hin zu einem modernen, bürgergesellschaftlich aktiven Stadtmuseum. Das Programm ist breit angelegt und hält neben Forschung, Bestandspflege, Sammeltätigkeit und Ausstellungsbetrieb auch ästhetische Bildung und Vermittlungsarbeit auf hohem Niveau bereit. Solchen langfristig angelegten Entwicklungen lediglich kurzdenkende Bewertungen entgegenzustellen, wie Sie es tun, das wird der Materie und den Leistungen der Angesprochenen nicht gerecht. Wenn Sie noch dazu die Auslastungszahlen von Einzeljahren als Nachweis für die Qualität der dahinterstehenden Arbeit hernehmen, ohne irgendwelche konkreten Umfeldbedingungen hinzuzudenken, ist das nicht seriös, kann es nicht sein. Das Museum Barberini ist ein wundervoller neuer Kunst- und Kulturort und eine großartige Bereicherung für Potsdam. Auch dort ist eine tolle Mannschaft am Start. Ihr Versuch, die zwei Institute mit ihren besonderen Aufgaben und Möglichkeiten gegeneinander auszuspielen, ist einfach nur kurzschlüssig und letztlich für alle ärgerlich und kontraproduktiv, auch für uns, das Publikum.

Ute Scharfenberg, Potsdam