Lesermeinung : Motorhelden

Zur Berichterstattung über den Radweg in der Pappelallee vom 19. Januar

In dem Artikel befassen Sie sich mit der Frage, ob und wie sicher Fahrradwege in Potsdam sind und führen als Beispiel für gefährliche Wegeführung den „Zweiradrichtungsweg“ an der Pappelallee an. Dabei stützen Sie sich auch auf eine Untersuchung eines „spezialisierten Ingenieurbüros“, das die Auflösung dieses Zweiradrichtungsweges wegen erhöhter Gefahr für die Fahrradfahrer vorgeschlagen habe. Leider enthält der Artikel keinerlei Erklärungsansatz für diese Auffassung. Das dürfte zu einem solchen Artikel dazugehören; denn rein abstrakt ist jedenfalls diese Auffassung nicht verständlich. Ich habe selbst die zitierte Unfallstelle (August-Bonnes-Straße) häufig in beiden Richtungen mit dem Fahrrad passiert, ohne den Eindruck von Gefahr gewonnen zu haben. Zudem ist diese Stelle in und aus allen Richtungen mit weit über hundert Metern sehr gut wahrnehmbar und einsehbar. Ich sehe einen großen Ursachenanteil für Unfälle speziell von Motorfahrzeugen mit Fahrradfahrern in der mentalen Einstellung: Das habe ich selbst schon mehrfach erlebt. Zum Beispiel wollte ich vor einem halben Jahr auf der B 2 von der Insel Neu Fahrland kommend an der Amundsenstraße geradeaus weiterfahren, während der Fahrer des neben mir auf der Straße fahrenden Kippers in diese Straße einbiegen wollte. Nur meiner intuitiven Reaktion verdanke ich, dass ich nicht zu Schaden oder mehr gekommen bin: Ich bin reaktionsschnell mit abgebogen. Im Juli 2014 hat mich ein Autofahrer an der B 2 auf dem dortigen separaten Fahrradweg gerammt, was zu einer bösen und hässlich verheilten Beinverletzung führte. Hier gab es keine Chance für mich, da der Pkw neben dem Fahrradweg (im rechten Winkel dazu) stand und der Fahrer ansatzlos anfuhr, als ich vor dem Auto war. Nur meiner Entschlossenheit ist es zu verdanken, dass die Haftpflichtversicherung nicht nur den materiellen Schaden beglichen, sondern auch ein nennenswertes Schmerzensgeld gezahlt hat. So habe ich mich dann zwar sehr gewundert, dass die Staatsanwaltschaft Potsdam – und dann abgenickt durch die Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg – kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung gesehen hat, aber letztlich war mir das Schmerzensgeld Ausgleich genug. Auch dieser Fahrradweg ist in beiden Richtungen zu befahren, auch hier sind die Sichtverhältnisse optimal. Eine wirklich gefährliche Stelle finden Sie übrigens vor dem Rathaus Potsdam, wenn Sie dort von Norden her in den Bereich der Tram-Haltestelle einfahren. Nicht jeder Motorheld schafft es, den neben ihm fahrenden Fahrradfahrer zu beachten, so dass für den dann nur die Flucht auf den Gehweg bleibt – eigene Erfahrungen.

Friedrich Band-Rieger, Potsdam