Lesermeinung : Mein Gegenbeispiel

„Lieber ohne Lappen“, Potsdam-Mittelmark, 27. November 2014

Das Schicksal des Herrn Vetter ist sicher bedauernswert, ja, aber wie Sie seinen Zustand beschreiben, hätte er längst nicht mehr fahren dürfen. Das hätte ihm sein Arzt und er sich selbst schon viel eher klarmachen müssen. Ich lasse Ihre statistischen Zahlen jetzt unkommentiert, habe aber mal die Polizeiberichte in den PNN der letzten drei Tage nachgelesen: Neun Fälle, Schuldige allesamt zwischen 11 und 63 Jahren; kein Wort weiter dazu, dass ein 63-jähriger mit 2,3 Promille gegen den Baum fuhr. Macht aber irgendwo ein „Hochbetagter“ einen Unfall, dann wird, vor allem natürlich in der Boulevard-Presse, die Öffentlichkeit mobilisiert mit der Forderung: „Nehmt endlich den Alten die Lappen weg.“ Nun mein Gegenbeispiel: Als ich 77 war, habe ich ein neues Auto gekauft; bin gleich erst mal 3000 Kilometer in die Schweiz und die Dolomiten gefahren, und inzwischen habe ich – nach Kilometern gerechnet – zweieinhalbmal die Erde umrundet, am Äquator gemessen. Ohne nennenswerte Unfälle ... Ist das berichtenswert: eher nicht. Eher ist das ein Normalfall im Vergleich zu dem von Ihnen geschilderten. Wir Alten sind dankbar dafür, doch Denkhilfen oder -anstöße brauchen wir diesbezüglich nicht. Ich würde es auch meinen Kindern übelnehmen, wenn sie mich in dieser Hinsicht „beraten“ wollten. Mir wird das von alleine klar. Mein Horror ist ja: Mit der ersten Rente Führerschein abgeben.

Karl-Heinz Kossack, Potsdam