Lesermeinung : Mao wusste vom millionenfachen Tod

„Eine vielschichtige Persönlichkeit“ vom 28. August

„Eine vielschichtige Persönlichkeit“ ist die Besprechung des Jugendbuchs über Mao Zedong von Charlotte Kerner überschrieben. Rezensent Ulrich Karger nennt zwar die Zahl der Opfer Maos – zwischen 10 und 60 Millionen – „jedoch“, so schreibt er, wurde dies erst Jahre nach seinem Tod bekannt. Es ist nicht ganz richtig, dass Hungertod, Mord, Totschlag, Hinrichtung, Vertreibung und Raub zu Maos Lebzeiten und ihm selbst nicht bekannt waren. Wer dazu Mao schrieb und ihn bat, das fürchterliche Geschehen zu stoppen, durfte, wenn er Glück hatte, „nur“ mit öffentlichen Schmähungen und wirtschaftlichem Ruin rechnen. Der Gedichte schreibende, bauernschlaue, brutale und jähzornige Mao ließ schon 1930 während der bürgerkriegsähnlichen Zustände in China Anfang der 30er-Jahre 4000 seiner Gefolgsleute liquidieren und regierte später mit Umerziehungslagern, Geheimgefängnissen und Hinrichtungen. Die Kampagne „Der große Sprung“ war wirtschaftspolitischer Irrsinn und führte zudem zu millionenfachem Tod. Mao wusste ziemlich genau, was vor sich ging. Das nächste Menschenexperiment der „vielschichtigen Persönlichkeit“ (Karger), die Kulturrevolution, brachte, vorsichtig geschätzt, 7,5 Millionen Menschen den Tod. Karger nennt das „zahlreiche Tote“. Warum laut dem Rezensenten Hitler ein Massenmörder sein soll, Mao aber nicht, ist nicht nachvollziehbar. Günter K. Schlamp, Potsdam