Lesermeinung : „Loslassen?“

Zu „Für ein Stadtbild mit Kontrasten“ vom 22. Juni, zur Debatte um die Zukunft der Potsdamer Mitte und zum geplanten Abriss der Fachhochschule

Olaf Kroschke-Paulus: Ich bin mir fast sicher. Unter den Initiatoren dieser neuen Initiative ist kein gebürtiger Potsdamer. Diese Stadt hat ein chronisches Wohnungsmangelproblem und keines, dass sich um Kunstdepots dreht. Das Zugeständnis, die Havelbucht ab der Schopenhauer Straße nicht zurückzubaggern und all das Hässliche links und rechts der Breiten Straße ins Straßenbelagszusatzstoffnirvana zu verabschieden, ist schon genug Zugeständnis an die DDR-Architektur. Was nicht durch Menschen genutzt wird, ist irrelevant und kann weg!

Rita Nowak: Dieses Gebäude und noch einige aus der DDR-Zeit verschandeln die Stadt, die ein großes Kunstwerk ist. Sind es die ewig Gestrigen, die nicht loslassen können ?

Corinna Albrecht: Mit dem Loslassen hat man es in Potsdam nicht so. Die einen klammern an alten Königen, die anderen an der DDR und jeder hält seine Meinung für die einzig richtige.

Christian Heinrich: Ich kann das Anliegen der Initiative nachvollziehen. Das hat nichts, oder (hoffentlich) wenig, mit Ostalgie von „Ewiggestrigen“ zu tun. Wenn Gebäude in einer Stadt Teil eines steinernen Geschichtsbuches sind, will ich einfach alle Seiten lesen können – auch wenn manche Geschichte nicht so schön ist. Die baulichen Hinterlassenschaften der DDR – vor allem auch die „Sonderbauten“ – haben das gleiche „Recht“ als Zeitzeugen auftreten zu können, wie Architekturen aus allen anderen Epochen auch. Mehr wird hier nicht verlangt – und das finde ich absolut in Ordnung. Politische Einstellungen sollten beim heutigen Blick auf DDR-Architektur keine Rolle spielen. Zeit, das Thema zu versachlichen.