Lesermeinung : Resterampe

Fast 40 Jahre standen die durchaus unterschiedlich rezipierten Plastiken des Potsdamer Künstlers Jürgen von Woyski in den Höfen der nun im Abriss befindlichen Gebäude der FH Potsdam.

Abbau des Denkmals "Stehende unter Baldachin" von Jürgen von Woyski, Staudenhof Potsdam, Skulptur, 04.09.2017 Foto: Sebastian Gabsch PNN
Abbau des Denkmals "Stehende unter Baldachin" von Jürgen von Woyski, Staudenhof Potsdam, Skulptur, 04.09.2017 Foto: Sebastian...Foto: Sebastian Gabsch PNN

Zu „DDR-Plastiken kommen auf die Insel“ vom 26. Mai

Fast 40 Jahre standen die in der Kunstkritik wie auch von den Potsdamern durchaus unterschiedlich rezipierten Plastiken des Potsdamer Künstlers Jürgen von Woyski in den Höfen der nun im Abriss befindlichen Gebäude der FH Potsdam. Die Plastiken wurden erfreulicherweise rechtzeitig vor dem Abriss durch die Stadt demontiert und eingelagert.

Die institutionellen Vertreter der Kunst in der Stadt kämpfen in Zeiten von Privatisierung, steigender Bebauungsdichte, Vandalismus, Materialermüdung und dem sich änderndem Mainstream der Kunstauffassung engagiert um den Erhalt der vorhandenen Kunst im öffentlichen Raum. Also muss für die hier demontierte Kunst wenigstens ein in der Stadt „ganz wichtiger Ort“ gefunden werden. Da kam man auf die Freundschaftsinsel als neuen Standort. Die hat zwar schon eine stattliche Anzahl von Kunstwerken. Dazu gehört auch die baugebundene Kunst in Form von raumbildenden Strukturwänden und die wunderbaren tönernen Pflanzkübel der Hedwig Bollhagen. Doch bei der Suche nach einem neuen Standort interessiert dieser spezielle Kontext die amtlichen Kunstvertreter offenbar wenig. Auch nicht, dass die Steinzeugkeramik des Jürgen von Woyski speziell für räumlich eng gefasste bauliche Räume geschaffen wurde und nicht für große Parkanlagen. In den Diskussionen über mögliche Standorte wurde das für Potsdam so wertvolle gartenkulturelle Erbe von Karl Foerster auf der Insel, schon mal salopp mit „…wenn da irgendwelche Stauden stehen…“ abqualifiziert. In diesem Bestreben um Bedeutung für die Kunst sind dann auch die mit öffentlichen Geldern erstellten Konzepte für das in die Potsdamer Denkmalliste eingetragene Gartendenkmal Freundschaftsinsel egal. Die Stadt leistet sich auch einen Fachbeirat für die kulturelle und gärtnerische Weiterentwicklung der Insel, doch dessen Positionen werden jetzt beim Heischen nach Bedeutung für die Kunst nur noch zur marginalen Randnotiz. Dem für die Insel so hilfreichen Verein Freunde der Freundschaftsinsel geht es ähnlich.

Viel näher läge folgende Idee für Kunst auf der Freundschaftsinsel: Die Abteilung Kunst der Stadt Potsdam sucht einen anderen herausragenden Standort für von Woyskis Werke, vielleicht ja den vom kunstsinnigen ehemaligen Stadtkonservator Andreas Kalesse vorgeschlagenen Ort. Auf der Insel erneuert sie den langsam kaputt gehenden Bestand an Gartenkeramik und Pflanzkübeln aus der Werkstatt der Künstlerin Hedwig Bollhagen und lässt diesen durch die Gärtner der Freundschaftsinsel ganzjährig prächtig bepflanzen. Dafür gibt es bisher keinen Ort in Deutschland. Und anders als bei von Woyski Pflanzturm braucht manfür Bollhagens Pflanzkübel und -türme auch keinen Hubsteiger zum Bepflanzen und zum täglichen Gießen. Den haben die Inselgärtner nämlich gar nicht.

Stephan Strauss, Berlin