Leserbriefe : Mehr Respekt vor dem Welterbepark Sanssouci

Betreten verboten. Die Rasenflächen in den Parks der Schlösserstiftung sind grundsätzlich tabu für die Besucher. Nur ausgeschilderte Liegewiesen dürfen zum Sonnenbaden oder Picknicken genutzt werden. Verstöße werden mit Geldbußen geahndet.
Betreten verboten. Die Rasenflächen in den Parks der Schlösserstiftung sind grundsätzlich tabu für die Besucher. Nur...Foto: R. Hirschberger/dpa

Zu „Falschparker“ vom 17. August

 

Sicherlich ist es ärgerlich für den Autor, zu den unglücklichen fünf Prozent der Wiesenlieger, „Auf-nicht-freigegebenen-Wegen-durch-den-Park-Radler“ oder „Hund-ohne-kurze-Leine-Laufenlasser“ zu gehören, die von den Parkwächtern erwischt werden. Allerdings ist es jedem Besucher eines Unesco-Welterbes zuzumuten, einen kurzen Blick auf die Parkordnung zu werfen, die an jedem Eingang aushängt. Leider verhalten sich viel zu viele Menschen so, als wären sie in einem x-beliebigen Park, „wie sie es aus Berliner Parks“ oder dem Volkspark kennen. Dies schädigt, ob bei 15 oder bei 40 Grad, den Blick und das Genießen der einzigartigen historischen Parklandschaft und reduziert den Park Sanssouci unberechtigt zu einem banalen Fahrradweg oder einer Liegewiese. Das Genießen ist auch sehr gut auf den zahlreichen Parkbänken möglich. Es ist unverhältnismäßig, eine Parkwächterin, die sich tagtäglich mit verständnislosen Besuchern herumärgern muss, öffentlich zu verurteilen und anzuprangern, nur weil man zufällig stellvertretender Ressortleiter bei einer großen Berliner Tageszeitung ist. Fazit: Angebracht wäre sicherlich eine bessere Information des Autors über die Parkordnung sowie versteckte, aber vielfach bereits bekannte Orte, wie es das nun bereits seit vielen Monaten existierende Café Eden hinter der Meierei („halb verfallenes Haus“) darstellt. Oder den weiteren Besuch in einem der zahlreichen x-beliebigen Parks. Und wünschenswert wäre vor allem zweierlei: erstens eine größere Anzahl solcher Parkwächter, die ehrenvoll unser aller Welterbe verteidigen. Und zweitens direkt unter Fontanes Zitat Immanuel Kants Zitat über den kategorischen Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Claudio Freimark, Potsdam

Ich finde es unangemessen, das zu Recht gestörte Picknick-Vergnügen Ihres Berliner Tagesspiegel-Autors Lars von Törne zum Gegenstand eines Beitrags – ausgerechnet in Potsdam – zu machen. Viele Generationen empfanden es als selbstverständlich, die Rasenflächen nicht zu betreten, geschweige denn ein Picknick darauf zu veranstalten. Der gesamte Park wurde seit jeher als Gartendenkmal betrachtet und nicht als Volkspark. So ging es meinen Großeltern, Eltern und auch ich habe es meinen Kindern so vermittelt. Und es stand noch nicht einmal unter dem Schutz des Weltkulturerbes, wie heute! Das hat einfach mit Respekt zu tun. Zudem gelten viele Rasenflächen als wichtige Biotope mit großer Artenvielfalt. Die Wiesen sind nicht nur gestalterischer Bestandteil des Landschaftsgartens, sie gehören nebenbei auch zu einem der artenreichsten und wertvollsten Grünlandbiotope Potsdams und Umgebung. Das sollte man wissen und beachten. Schon eine Parkordnung der Königlich-Preußischen Garten-Intendantur aus dem 19. Jahrhundert bestimmte: „Bei dem Eintritt in diesen königlichen Garten wird ein Jeder gewarnt, nicht auf die Grasstücken oder in den Pflanzungen zu gehen, sondern in den Wegen zu bleiben, keinen Taback zu rauchen, keine Hunde mitzubringen, keine blühenden Sträucher oder sonst etwas abzupflücken, und überhaupt keine Unanständigkeiten zu begehen.“ „Widrigenfalls“ werden „unangenehme Folgen“ angedroht. Nun muss nicht unbedingt immer alles so bleiben wie es immer war, aber in diesem Fall bin ich für die Einhaltung der Parkordnung und da hätte ich mir gewünscht, dass eine Potsdamer Zeitung auch Potsdamer Interessen vertritt und um Verständnis für die (heutige) Parkordnung wirbt. Nicht umsonst gelten Schloss und Park Sanssouci als Perle des norddeutschen Rokoko – und das hoffentlich noch für sehr lange Zeit. Im Übrigen gibt es eine große offizielle Liegewiese in der Nähe der Historischen Mühle.

Elisabeth Karth, Potsdam