Lesermeinung : Lausig und unwürdig

Zu „Fest mit Licht und Schatten“ und „Innehalten“ über die Mauerfall-Feier auf der Glienicker Brücke vom 11. 11.

Wann fing die Feier an? Wir wissen es nicht. Wir hatten Wunderkerzen in der Hand, aber nix wunderte sich. Wir waren ab 18 Uhr dort – alles trudelte zwischen dem Autoverkehr über die Brücke. Von der Bühne war nichts zu verstehen, ein Konzept bestand wahrscheinlich nicht. Jeder wartete auf etwas – aber auf was? Schade, wir haben doch viele Künstler, Gestalter etc. in Potsdam. Warum ist da nicht wenigstens etwas entstanden – es muss ja nicht gleich die Staatskapelle mit Barenboim sein, aber etwas, das auch die Emotionen widerspiegelt? Schade, so eine schöne Stadt mit einer so geschichtsträchtigen Brücke, und die Stadt kann nichts damit anfangen!

Christa Regina Schoenfeld, Potsdam

Der 25. Jahrestag des Mauerfalls, ein Trauerfall? Am 10.11. gingen wir bei Sprühregen kurz nach 18 Uhr zur Glienicker Brücke, wo sehr viele Menschen hinstrebten und auch schon da waren. Aber der Autoverkehr verhinderte eine andächtige, eine fröhliche oder auch eine ausgelassene Stimmung. Wie kann es sein, dass man ein so geschichtsträchtiges Ereignis im Autolärm verkommen lässt? Eine kleine Bühne war dicht umlagert und man hörte, dass wohl Leute befragt wurden. Man hatte wohl vergessen, dass ein Programm erwartet wurde, nicht so ein grandioses wie in Berlin, doch aber ein paar Programmhöhepunkte, die die Situation dieses umwerfenden Ereignisses wiedergeben. Nichts dergleichen. Wo waren unsere Spitzenpolitiker, wo die bekannten Namen aus der Bürgerbewegung, die viel erleiden mussten und für alle unerschrocken gekämpft hatten? Wo waren die Topkünstler unserer Region? Wir wollten das gar nicht glauben. Die Brücke war zur Hälfte blau erleuchtet und die Menschen mussten sich aneinander vorbeidrängeln. Als wir um 18.45 Uhr enttäuscht zu Hause den rbb einschalteten, mühten sich die zwei Moderatorinnen redlich ab, eine Stimmung zu beschreiben, die nicht da war. Die Potsdamer waren voller Erwartungen hingegangen und zogen schon wieder stadteinwärts. Von guter Programmgestaltung keine Spur; gibt es niemanden, der die Potsdamer Künstler einlädt, ein vor Lust und Laune sprühendes Fest zu gestalten? Nicht mal eine Lasershow, kein Feuerwerk, keine Musik. Wir sprachen mit einigen Leuten, die mit uns heimwärts zogen und die ziemlich enttäuscht über diese lausige und unwürdige Veranstaltung waren. Wenn jemand Tränen in den Augen hatte, dann vor Verbitterung. Vor fünf Jahren gab es doch ein annehmbares Programm. Diese Veranstaltung kam über ein piefiges und dörfliches Niveau nicht hinaus, es war blamabel und peinlich. Trotz allem, wir sind froh über die freie Brücke, die verschwundene Mauer! Von der Geschichte sprachen viele mit ihren Kindern und Enkelkindern, das war schön zu hören.

Roswitha Becher, Potsdam

Mauerfall 25 Jahre auf der Glienicker Brücke, „meine Glienicker Brücke“, die schönste Brücke Berlins und Potsdams. Schade, sehr schade, dass dieses historische Ereignis so unspektakulär verlief. Kein Highlight so wie vor fünf Jahren. Es war eher eine sehr langweilige Veranstaltung. Die Glienicker Brücke in verschiedenen Farben... ja, darunter habe ich und manch anderer sich etwas sehr viel Effektvolleres vorgestellt. Die Reden auf der Bühne – viel zu lang und langweilig. Schade.

Nanni Klinkmüller, Berlin