Lesermeinung : Komplizierte Kirchengeschichte

Zu „Stiftung hat 15 000 Unterstützer“

vom 6. August

Sie betonen, dass die „Stiftung zum Wiederaufbau der Garnisonkirche“ nun weltweit 15 000 Unterschriften für den Wiederaufbau auf ihrer Internetseite gesammelt hätte, die Gegner des Wiederaufbaus im letzten Jahr jedoch „nur circa 14 000“ Unterschriften. Offensichtlich verkennen Sie dabei, dass diese Unterschriften innerhalb eines Jahres zusammen kamen, die Unterschriftenaktion des Bürgerbegehrens der „Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ für einen Bürgerentscheid diese 14 000 Unterschriften jedoch in nur drei Monaten gesammelt hat – und zwar nur von Potsdamer Bürgern (Einwohner anderer Orte, Touristen und Studenten, die nicht in Potsdam wohnen, durften darüber nicht abstimmen!).

Die Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ um den bekannten Pfarrer und Friedensaktivisten Friedrich Schorlemmer hat bisher 750 Unterstützer deutschlandweit. Die Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche wirbt international für den Wiederaufbau vor allem mit dem Argument, dass der barocke Kirchenbau unbedingt ins Potsdamer Stadtbild gehöre und von den Kommunisten unter Walter Ulbricht gesprengt wurde. Die weitere Bedeutung und Geschichte des Bauwerks wird oftmals verschwiegen. Das ist genauso kurzsichtig, wie die Argumentation einiger Gegner des Wiederaufbaus, die Kirche nur mit dem „Tag von Potsdam“ in Verbindung zu bringen. Die Geschichte des Bauwerks ist viel komplizierter als von der Stiftung, einigen Gegnern und auch oft den Medien dargestellt und bedarf einer intensiven kritischen Auseinandersetzung unter Einbeziehung aller Potsdamer Bürger!

Michael Meixner, Potsdam