Lesermeinung : „Jeder vernünftige Bürger versteht Gaucks Worte – nur die Linke nicht“

Zu „,Widerlicher Kriegshetzer’ – muss Gauck sich das gefallen lassen?“ und „Norbert Müller provoziert Streit in der Koalition“ vom 25. Juni 2014.

Mit größter Empörung haben wir den Artikel gelesen, in dem über die unerhörte Beleidigung des Bundespräsidenten durch den Linke-Landtagsabgeordneten Norbert Müller berichtet wird. Hier muss mit klaren Worten gefragt werden: Was bildet sich dieser Herr Müller ein, eine Stellungnahme unseres Bundespräsidenten Gauck in einer so niederträchtigen, jeden Respekt, Anstand und Stil vermissen lassenden Art und Weise zu kritisieren? Ist das der Stil der Linken, wo auch gleich noch die Fraktionschefin in die Bresche springt? Herr Gauck hat in seiner Äußerung zu deutschen Militäreinsätzen nur von der allerletzten Möglichkeit, wenn beim Nachbarn das Haus brennt, gesprochen. Jeder vernünftige Bürger unseres Landes versteht seine Worte – nur die Linke nicht.

Professor Klaus Trumpf, Potsdam

Es ist schon erstaunlich zu erleben, wie ein Pastor, der in der DDR davon redete, Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden, heute für mehr militärische Beteilung wirbt. Wenn es jemand mit der Losung „Schwerter zu Pflugscharen“ ernst gemeint hat, dann gilt das natürlich auch für heute. Die Führung der BRD hat sich 1999 an einem Krieg gegen das damalige Jugoslawien beteiligt und die Tötung unschuldiger Kinder, Frauen und Männer zynisch als Kollateralschaden abgetan! Die Verantwortlichen laufen noch immer frei herum! Warum hält sich Gauck da raus? Grenzsoldaten der DDR, die auf Flüchtende geschossen haben, wurde vorgehalten, den Tod des Flüchtenden billigend in Kauf genommen zu haben. Ja, wie ist das heute mit „billigend in Kauf nehmen“? Wir haben eine fürchterliche Kriegsmaschinenindustrie. Alle, die Waffen herstellen, nehmen doch billigend in Kauf, dass mit diesen Waffen unschuldige Kinder, Frauen und Männer getötet werden. Warum äußert sich Gauck nicht gegen deren Machenschaften?

Hermann Biro, Potsdam

Bundespräsident Gauck – ein Pfarrer – wurde von Pfarrern angegriffen, weil er Militäreinsätze gegen Völkermörder unter bestimmten Kriterien für rechtens hält. Darauf kam, besonders auch von der Linken, ein wütender Aufschrei.

Die Reaktion der Pfarrer ist insofern verständlich, als die biblische Bergpredigt Jesu vorschreibt, seine Feinde nicht zu töten, sondern zu lieben. Doch achte man auf den genauen Wortlaut: Dort geht es nämlich immer um die Entscheidung für die eigene Person („Wenn dir Unrecht geschieht, dann...“). Hierfür hat die Philosophie den Begriff der Gesinnungsethik geschaffen. Was aber, wenn anderen, wenn biblisch gesagt dem Nächsten Unrecht geschieht? Wenn ihm gar Schreckliches widerfährt? Man denke an die rund 800 000 Morde 1995 in Ruanda, an die Entführung der Mädchen in Nigeria durch Boko Haram usw. Dürfen wir dann die Hände in den Schoß legen, weil „du nicht töten sollst“? Dürfen wir wegschauen, wenn ohne Töten der Völkermörder nichts läuft, weil ja Töten verboten ist?

Dafür entstand der Begriff der Verantwortungsethik. Wie kommt es denn, dass nicht nur der Weltgemeinschaft wegen des Massakers in Ruanda, sondern auch den niederländischen Nato-Soldaten wegen des Massakers an circa 8 000 Bosniern 1995 in Sebrenica schwere Vorwürfe gemacht wurden, weil sie nicht eingegriffen hatten?

Ernst-Manfred von Livonius, Geltow