Lesermeinung : Für Ordnung und Sicherheit – aber mit Sinn und Verstand

„Das Ordnungsamt greift durch“ vom 28. März 2014 über die Ankündigung der Stadtverwaltung, die Kontrollen durch das Ordnungsamt zu verstärken.

Zum einen finde ich es gut, dass das Ordnungsamt Strafsündern mehr nachstellen möchte. Doch dies sollte da passieren, wo es nötig ist. In der Friedrich-Engels-Straße ist es hingegen völlige Schikane. Denn Bewohner werden dort dafür bestraft, dass sie keinen Parkplatz finden. Es wird ihnen zugemutet, bei vollen Parkplätzen einen 15- bis 25- minütigen Marsch in Kauf zu nehmen. Es werden freie Parkplätze radikal weggenommen. Neue Wohnhäuser gebaut, aber keine weiteren Parkplätze geschaffen. Zehn freie Parkplätze für drei sechstöckige Häuser und weitere kleinere Wohnhäuser sind zu wenig. Es existieren Parkautomaten, für die man als Anwohner eine Menge Geld zahlen soll. Einwohnerparkkarten hingegen werden nicht einmal in Betracht gezogen. Besonders für Familien mit kleinen Kindern ist es eine Zumutung. Die verstärkten Kontrollen werden auch in unserer Wohngegend mit Kopfschütteln entgegen genommen. Der Streit um einen der freien Plätze wird noch größer werden. Der Mieterfrieden wird stark darunter leiden. Damit man seinen Platz nicht verliert, läuft man vor dem Kurzeinkauf lieber noch eine Runde mehr ums Haus, wenn man bemerkt, dass jemand den frei werdenden Platz beanspruchen möchte, um so eine kleine Chance zu haben, seinen eigenen Platz wieder zu ergattern. Diese Parkplatzmangelsituation wird meiner Meinung nach vom Ordnungsamt ausgenutzt.

Nicole Bauch, Potsdam

Die Fantasie unserer Ordnungsbehörde, um via Knöllchen den Stadthaushalt zu stärken und unter dem Vorwand, die Verkehrssicherheit zu verbessern, nun sogar die Zahl der Ordnungskräfte nahezu verdoppeln, ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten.

Kürzlich hatte ich in Berlin einen Auffahrunfall. Der den Unfall aufnehmende ältere Beamte sagte beim Notieren meiner Personalien: „ Sie kommen aus Potsdam, unserer Blitzerhauptstadt. Ich sage Ihnen, da fahre ich nicht mehr hin. Dort bin ich schon dreimal geblitzt worden.“

Vor einigen Tagen überschritt ich die Parkscheindauer um fünf Minuten auf der Kurfürstenstraße und hatte schon ein Knöllchen an der Scheibe. Ich fuhr zum Rathaus und beschwerte mich im Ordnungsamt über diese Anzeige und musste mir sagen lassen: „Was wollen Sie! Fünf Minuten sind fünf Minuten.“

An einem Karfreitag früh um 7.30 Uhr gehe ich mit meinem Hund unangeleint durch den Wald am Pfingstberg und werde von einem uniformierten Mann der Schlösserstiftung angehalten und zur Zahlung von 15 Euro verdonnert, wegen meines freilaufenden Hundes.

Wir Potsdamer sind sicher alle für Ordnung und Sicherheit – aber mit Sinn und Verstand. Im Hauptmann von Köpenick heißt es: „Für wen ist die Ordnung da? Für die Ordnung oder für den Bürger?“

Rüdeger Udo von Hertzberg, Potsdam