Lesermeinung : Fachhochschule passt nicht mehr ins Stadtbild

An der FH-Potsdam sollen Unisex-Toiletten für Menschen mit unklarer Geschlechterzuordnung eingerichtet werden.
An der FH-Potsdam sollen Unisex-Toiletten für Menschen mit unklarer Geschlechterzuordnung eingerichtet werden.Foto: A. Klaer

Zu „Initiative plant Umfrage zu DDR-Bauten“ vom 7. September

Da ich im November nach Potsdam ziehen werde und ich die neuen Anregungen bezüglich der FH mitverfolge, möchte ich gerne dazu Stellung nehmen. Auch wenn die Fachhochschule wieder einen „schönen“ Anstrich bekommt und umgestaltet werden soll, hat sie auf diesem Platz nichts zu suchen. Weder als Begegnungsstätte, Theater, Konferenzsäle oder was auch immer dort geplant werden soll. Potsdam hat die einmalige Möglichkeit, ein Gesicht zu bekommen, das sonst keine andere Stadt hat. Nach meinen Informationen sollen dort Wohnungen und Gewerbe entstehen und daher verstehe ich die Meinung der neuen Initiative nicht, dass der Alte Markt abends tot sein soll. Es werden dort Menschen wohnen, und wo Menschen wohnen, ist Leben. Außerdem glaube ich, dass sowohl die Bürger von Potsdam diesen Platz einnehmen werden als auch Touristen, die sich diesen neu gestalteten Platz anschauen wollen. Außerdem wird das Museum Palazzo Barberini 2017 fertiggestellt sein, das Museum im Alten Rathaus und Cafés, Restaurants et cetera, die die Menschen anlocken werden und nicht ein Bauwerk, das überall stehen könnte und austauschbar ist. Man muss natürlich nicht immer alles abreißen, aber wenn ich mir diesen Platz anschaue mit der Nikolaikirche, dem Alten Rathaus, Palazzo Barberini, Chiericati, Pompei und natürlich dem neuen Landtag, ist das ein totaler Stilbruch, den es in den alten Bundesländern zuhauf gibt (ich komme aus dem Rheinland) und natürlich auch reichlich in Potsdam. Und noch ganz kurz, wenn es ein wirklich ausgefallenes Gebäude wäre, kann ein Mix aus Alt und Neu sehr gut zueinander passen, aber nicht diese FH.

Norbert Blanco Roiz, Berlin

 

Ich habe mit großem Interesse Ihren Bericht zum Thema „Schrott oder Chance“ gelesen. Da ich in Potsdam geboren bin, lese ich sehr oft PNN Online. Bin auch des Öfteren in Ihrer Stadt. Meine Auffassung ist, dass der Bau Fachhochschule zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr in das Stadtbild passt. Hat aber nichts mit den Verzicht auf DDR-Bauten zu tun. Würde auch für den Erhalt plädieren, wenn es für ein Gesamtbild geeignet ist. Bekannte, die Potsdam besucht haben, haben mich schon gefragt, was das für ein Bau neben der Nikolaikirche ist. Ist ja ein unpassendes Gebäude und in einem jämmerlichen Zustand. Bin gespannt, was nun wird. Mir gefällt aber die Stadt Potsdam und ich komme gern immer wieder.

Wolfgang Mier, Rottenburg

 

Bedenklich finde ich einen Vorschlag, der alle demokratisch gefassten Beschlüsse zur „Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss Potsdams“ aufhebt und ins Gegenteil verkehrt. Bedenklich dabei ist umso mehr, dass der Verfasser immer auf den 25-jährigen Abstand zur Friedlichen Revolution 89 anzielt. Wohl wissend, dass die Beschlüsse jüngeren Datums sind und auch nicht einmaliger Natur, sondern immer wieder bestätigt und präzisiert und in den jüngeren Jahren auf die jeweiligen zu beplanenden Flächen bezogen. Da die Initiatoren der Infragestellung da selbst in der SVV (Stadtverordnetenversammlung – Anm. d. Red.) sitzen, sollte es ihnen bekannt sein, dass die jüngsten Beschlüsse zur „Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss Potsdams“ von 2006 sind. Wie kommt diese Wählergruppe Die Andere, die sich hier als „Potsdamer Mitte neu denken“ tarnt, nur darauf, dass seit 1990 keine erneute Bestätigungen zu diesem ersten Beschluss 1990 erfolgt sind? Woher nimmt sie diese Unverfrorenheit, einfach dreist mit einer imaginären Zahl von 25 Jahren zu operieren? Wie kommt sie darauf, dass keine erneuten demokratischen Legitimationen stattfanden? Oder ist diese Verlautbarung vielmehr gezielte Desinformation und Propaganda?

Stefan Karau, Potsdam