Lesermeinung : „Euro-Sprudel“ am Alten Markt

„Knöllchen-Fall vor Gericht“ und

„Augen auf!“

vom 7. Februar 2017

Sehr geehrter Herr Straube,

da reibt man sich nach Ihrem Kommentar wirklich die Augen. Man sollte meinen, dass ein Journalist weniger die Bürokratie begleitend kommentiert, als sich der Sorgen der Bürger anzunehmen.

Sie stellen Ihrem Kommentar ein Foto voran, auf dem das STVO 290 zu sehen ist. Was der Leser nicht sieht: Auf der linken Straßenseite steht vor den abgestellten und auch auf dem Foto zu sehenden Pkw ebenfalls ein Schild – ohne Zusatz-Vermerk (wie andernorts in der Stadt). Parken verboten?

Jetzt kommt ein ortsunkundiger Fahrzeugführer, sieht links und rechts die gleichen Schilder, wobei links alles zugeparkt ist. Er wundert sich, bemerkt aber auch rechts die Poller. Ah ja, da kann man sich nicht hinstellen. Etwas weiter kommt er rechts an eine große Einfahrt. Er bemerkt (Augen auf!) ein kleines Schild: „Feuerwehrzufahrt“. Sonst: Nichts. Nach kurzer Orientierungspause erblickt er je nach Tageszeit ein, zwei, mehrere Fahrzeuge, die schön säuberlich in ein oder zwei Reihen geparkt sind. Was macht der Fahrzeugführer? Er sucht sich eine Lücke und stellt sein Fahrzeug ab. Ordentlich geparkt, denkt er vielleicht noch und sucht erwartungsvoll das Museum Barberini oder sonst was oder wen auf.

Wenn er Glück hat, steigt er nach zwei oder drei Stunden wieder in sein Auto und fährt nach Köln oder anderswo zurück. Potsdam ist toll, mag er sich noch denken: Schöne Bauten, neues Schloss und an Autofahrer wird auch gedacht. Vielleicht noch: guter Parkplatz. Wenn ich wiederkomme, parke ich da.

Wenn er Pech hat, dann findet er ein Knöllchen an der Windschutzscheibe. Und ist verärgert oder gar wütend: Wo ist denn hier ein Verbotsschild?

Wenn er trotz dieses Ärgers einige Wochen/Monate später trotzdem noch einmal das schöne Potsdam besucht und auf den Alten Markt kommt, bemerkt er auf dem Pflaster zur Einfahrt auf dem Platz ein großes aufgemaltes Parkverbotsschild. Vielleicht aber auch nur unter dem Schild „Feuerwehreinfahrt“ unübersehbar einen Hinweis, dass auf dem gesamten Platz Parkverbot herrscht.

Aber das ist wohl nur der Traum eines an das Gute glaubenden Bürgers: Denn der Stadt sind die vielen Besucher wohl gleichgültig, weil die ohnehin kommen. Wichtiger erscheint durch die unübersichtliche Situation, die Chance zur Abzocke von Touristen. Denn 60 Pkw mal zehn Euro machen schlappe 600 Euro für das Stadtsäckel. Ein aufklärendes zusätzliches Schild wäre zwar billiger, aber damit ließe sich nun mal kein Geld verdienen.

Zusätzliche Anmerkung: Dem Ordnungsamt sind mehrfach Angebote zu Gesprächen und Ortsbegehungen gemacht worden, um einvernehmlich nach Lösungen zu suchen. Darauf ist man nie eingegangen. Warum wohl? Weil der generierte Euro-Sprudel versiegen würde?

Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin