Lesermeinung : Ethisch beliebig

„Schwaetzer unterstützt Garnisonkirche“ vom 11. Mai

Der Plan, den Neubau der Garnisonkirche an ein Versöhnungszentrum zu knüpfen, war bezüglich des Ausscheidens der erzkonservativen Stiftung Preußisches Kulturerbe aus dem Projekt ein Erfolg. Nimmt man Vergangenheitsaufarbeitung und Versöhnung aber wirklich ernst, fallen einem hierzu viele Orte und Projekte ein, zuallerletzt aber der historisierende Neubau einer im Krieg teilzerstörten und später abgerissenen preußischen Militärkirche mit „wechselvoller“ Geschichte – beliebiger und unauthentischer geht es wirklich nicht. Die sehr dünnen Legitimationsfäden, die Frau Schwaetzer zu spinnen versucht, machen dies nur noch deutlicher. Nun mag es für die Mehrheit der evangelischen Kirche schwierig sein, auf einen in Reichweite liegenden Kirchenneubau zu verzichten – der große Verlust an ethischer Klarheit, mit dem dieses Projekt erkauft würde, ist sicher nicht zukunftsweisend für die Rolle der Kirche in der Gesellschaft.

Dr. Matthias Lüdeke, Potsdam