Lesermeinung : „Es fällt auf, wie unversöhnlich sich die Beteiligten gegenüberstehen“

„Spiel, Platz, Krieg“ vom 17. Juli

Da sich nun die Presse, das Fernsehen und lokale Politiker mit unserem Spielplatz beschäftigen, bleibt zu wünschen, dass man doch mal wirklich Klartext spricht, schreibt und sendet. Dass es massive Beleidigungen und Beschimpfungen gibt, die schon fast zur Tagesordnung gehören, ist besonders nervenaufreibend. Beide betroffenen Parteien stehen sich in nichts nach. Meinen Balkon mit Sicht auf den Spielplatz kann ich jedenfalls selten nutzen, sodass ich mich genötigt sehe, umzuziehen. Mich beschämt jedoch auch, dass sich die jungen Eltern oftmals sehr uneinsichtig und beleidigend verhalten. Niemand möchte den kleinen Steppkes das kindgerechte Spielen verleiden. Es sind jedoch noch weitere Aspekte, die keine Berücksichtigung in der nun öffentlichen Wahrnehmung finden. Der Spielplatzärger mit Nicht-Semmelhaack-Bewohnern ist aber auch der Sorge bezüglich der Betriebs- und Instandhaltungskosten geschuldet, denn diese werden mit Sicherheit auf keiner anderen Betriebskostenabrechnung ausgewiesen. Schade, dass das Leben nun mal nicht schwarz-weiß erscheint! Leider fehlt auch ein ganz wichtiger Grund, der sein Übriges zum Verwaisen beiträgt. Es herrschen doch hochsommerliche Temperaturen und niemand möchte die Kleinen in der prallen Sonnen spielen lassen. Die jüngst gepflanzten Bäumchen können naturgemäß noch keinen gewinnbringenden Schatten spenden. Es macht mich wirklich traurig, dass alles immer nur so wiedergegeben wird, als gäbe es nur kinderfeindliche und nichtgönnende Mitmenschen in der Wohnanlage. Ich bin selbst Mutter und gelernte Kinderkrankenschwester, aber was nun ins Rollen gebracht wurde, ist erschütternd und lädt förmlich zum Fremdschämen ein.

Gundula Herold, Potsdam

Mit immer größerem Unverständnis lese ich die diversen Artikel zum sogenannten „Spiel.Platz.Krieg“ in der Wohnsiedlung der Firma Semmelhaack im Wohngebiet Ruinenberg-Kasernen. Bei all diesen Berichten fällt auf, wie unversöhnlich sich die Beteiligten gegenüberstehen. Da sind die „Rentner“, die ihren Lebensabend in Ruhe verbringen möchten, und dort sind die Eltern, die für ihre Kinder ein berechtigtes Interesse an einem Spielplatz haben, den aber nur Kinder nutzen dürfen, deren Eltern Mieter der Wohnanlage sind. Vor allen anderen Kindern musste dieser Spielplatz mit einem Zaun und Schloss „in Sicherheit“ gebracht werden. Man muss sich das mal vorstellen: Da sind Kinder, deren Eltern eine Wohnung bei der Firma Semmelhaack gemietet haben, die dürfen diesen Spielplatz nutzen, ihren Freunden und Freundinnen, die ein Haus weiter wohnen, ist der Zugang verwehrt. Wer könnte das wollen? Fragt sich denn niemand, weshalb der Vermieter nicht in der Lage war, diesem Konflikt von Anfang an mit schlichtenden Gesprächen (z. B. im Beisein eines Mediators) zu begegnen. Auf Beschwerden der „älteren Bewohner“ reagierte das Unternehmen sehr fantasielos, indem es kurzerhand den Spielplatz umzäunte, mit einem Schloss versah, Sitzbänke abmontierte und festlegte, dass nur noch Mieterkinder dort spielen dürfen und somit alle anderen Nachbarkinder mit ihren Eltern ausgrenzt . So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Lage dermaßen aggressiv zugespitzt hat. Vielleicht sollten jetzt alle Beteiligten (der Vermieter, die „Senioren“ und die Eltern) die Verantwortung für das Geschehene übernehmen, statt sich gegenseitig mit Klagen vor Gericht zu überhäufen. Vielleicht braucht es dann auch keine Politik, die mit neuen Gesetzen das regeln soll.

Renate Ihde, Potsdam

„Spielplatzstreit alarmiert Stadtpolitik“

vom 18. Juli

Wenn, wie angeblich Pflicht, zu jeder Wohnanlage die Errichtung eines Spielplatzes Pflicht ist, verstehe ich die Eltern nicht, die nun auf den eingezäunten Spielplatz pochen. Warum lassen sie ihre Kinder nicht auf dem hauseigenen Platz tollen? So harmlos ist es nun doch nicht, wie manche Eltern das Verweilen ihrer Kinder schildern, zumal oft in den Abendstunden Halbwüchsige sich in diesen Anlagen versuchen zu bestätigen. Das kann schon sehr unangenehm werden.

Peter Leidig , Potsdam

„Spielplatzstreit geht weiter“

vom 20. Juli

Verwunderlich, dass bei den Verwerfungen um die Nutzung des Spielplatzes in der Wohnanlage Ruinenbergkaserne sich Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker empört zeigen. Schließlich war es doch die kommunale Verwaltung, die eine derart dichte Bebauung in den Grenzen der Ruinenbergkaserne für gut befand. Dass das Bauvorhaben der Firma Semmelhaack einzig auf maximale Rendite ausgelegt war und die Wohnqualität nachrangig eingestuft wurde, musste der Genehmigungsbehörde schon damals ersichtlich gewesen sein. Ganz abgesehen davon, dass der historische Kern der Anlage durch die dichte Bebauung massiv an Wert eingebüßt hat. Folge dieser Wohnungspolitik sind kleine Wohnungen in Blöcken mit minimalem Abstand. Eine wohnungstypische Geräuschkulisse ist dabei zwangsläufig. Die Wohnblöcke weisen schon jetzt, nach einem Jahr, eine merkliche Fluktuation aus. Wenn sich jetzt die Politik empört zeigt, ist dies nicht mehr und nicht weniger als politisches Grundrauschen, um das soziale Gewissen zu beruhigen. Mitverursacher dieser problematischen Ausgangssituation sind sie schließlich selber.

Lothar Asselborn, Potsdam

Eine bekannte Potsdamerin hat einmal gesagt: „Kinderlärm ist Zukunftsmusik“. Leider hat in der Auseinandersetzung um den Spielplatz der Vermieter Semmelhaack völlig versagt. Einen Spielplatz einzäunen kann grundsätzlich keine Lösung sein. Langfristig ist es für den Vermieter kostengünstiger, dem Querulanten gegebenfalls bei der Suche nach einer Ersatzwohnung zu helfen. Wie will man Kinderlärm von berechtigt und unberechtigt dort spielenden Kindern unterscheiden?

Herbert Heider, Potsdam