Lesermeinung : Ein Haus für Juden und Christen

Zur Debatte um den Bau der Synagoge und den Wiederaufbau der Garnisonkirche

Es ist davon auszugehen, dass der Bau einer Synagoge in der Schlossstraße in den nächsten Jahren nicht erfolgen wird. Der Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche wird vermutlich auch nicht so schnell vonstatten gehen. Es ist davon auszugehen, dass die Streitigkeiten innerhalb der jüdischen Gemeinde und zwischen ihr und den Gesetzestreuen nicht so schnell beendet sein werden. Es ist davon auszugehen, dass es der Jüdischen Gemeinde Potsdam schwerfallen wird, die Gelder für den Bau einer Synagoge aufzubringen und vor allem die erforderlichen Mittel für den Betrieb des Gotteshauses. Auf eine Goldader werden vermutlich auch die Freunde der Garnisonkirche nicht stoßen. Das mühsame Sammeln von Geld für die Errichtung des Bauwerks wird deshalb wohl auch noch lange Hauptinhalt ihrer Tätigkeit sein. Es ist davon auszugehen, dass sowohl die jüdischen Gemeinden als auch die Befürworter für den Wiederaufbau der Garnisonkirche zahlenmäßig nicht sehr weit über die bisherige Größe hinauswachsen werden. Ebenfalls ist bei beiden keine gravierende Verjüngung der Mitglieder bzw. Förderer zu erwarten. Es ist also vorhersehbar, dass die den Bau einer Synagoge und den Wiederaufbau der Garnisonkirche begleitenden Probleme nicht geringer werden. Was spricht dagegen, die für die Errichtung beider Bauten gesammelten Gelder sowie die zur Verfügung gestellten öffentlichen Mittel in ein Bauwerk zu investieren, in dem sowohl Christen als auch Juden ihren Platz haben? In einem hinter dem wiedererstandenen Glockenturm der Garnisonkirche erbauten und die Belange beider Religionen berücksichtigenden sakralen Gebäude mit dazugehörenden kulturellen und sozialen Einrichtungen? Das wäre ein gottgefälliges Vorhaben, ein in bauliche Gestalt gefasstes Zeichen der Versöhnung und Aussöhnung und ein Ausdruck wirklich gelebter Toleranz. In Andalusien war ich in Kathedralen, die als Moscheen erbaut worden waren. Auf Zypern besuchte ich Moscheen, die als Kathedralen entstanden. Warum sollte es in Potsdam nicht möglich sein, ein gemeinsames Haus für zwei Religionen – Juden und Christen – zu errichten, in dem sie zwar räumlich voneinander getrennt, aber unter einem gemeinsamen Dach zusammenkommen; im Haus des einen Gottes.

Volker Punzel, GeschichtsManufaktur Potsdam

„Initiative gegen Garnisonkirche ab März geplant“ vom 25. Februar

Die Argumente der Urheber des Bürgerbegehrens „Potsdam ohne Garnisonkirche“ unterliegen zwei grundsätzlichen Missverständnissen. Diese Kirche war weder der Tempel eines aggressiven Militarismus noch taugt sie als Symbol einer „Weihe“ der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, wie sie scheinbar in dem Foto des Handschlages Hindenburgs mit Hitler zum Ausdruck kommt. Dieser Handschlag erfolgte nicht etwa als Höhepunkt des Festakts zur konstituierenden Sitzung des neuen Reichstags, zum Zeichen der Besiegelung einer „Wiedergeburt der Nation“ unter nationalsozialistischem Vorzeichen, wie die Nazis dem Volk weismachen wollten, sondern er war nicht mehr als die Geste der Verabschiedung Hitlers vom Reichspräsidenten nach Abschluss der Feier. Die tiefe Verbeugung Hitlers war den Nazis sogar durchaus peinlich, sodass sie das Foto nie propagandistisch eingesetzt haben. Darüber hinaus war das von Friedrich Wilhelm I. am Standort der Garnison als „Hof- und Garnisonkirche“ errichtete Gotteshaus ja keineswegs nur für die religiöse Untermauerung des Kriegsdienstes und der Förderung des Kampfesmuts der Streitkräfte gedacht, sondern es war von Anfang an dazu bestimmt, auch der Zivilgemeinde als Kirche zu dienen. Als die Ruine 1968 gesprengt wurde, war sie bereits wieder seit rund 20 Jahren mithilfe behelfsmäßiger Ergänzungen und Restaurierungen für Gottesdienste im Gebrauch.

Klaus A. Heiliger, Kleinmachnow