Lesermeinung : Die Verwaltung muss Alternativen prüfen

Dicke Luft durch Stau. Die Verwaltung will den Verkehr minimieren, was bei vielen Autofahrern auf Unmut stößt.
Dicke Luft durch Stau. Die Verwaltung will den Verkehr minimieren, was bei vielen Autofahrern auf Unmut stößt.Foto: tom

Zu „Bewegung in Sachen Zeppelinstraße“ vom 19. Februar, „Ausgebremst“ vom 20. Februar und „Nichts zu tun, steht nicht zur Debatte“ vom 26. Februar

 

Ich bin 1957 in Potsdam geboren und war auch lange Jahre Stadtverordnete, weiß also, wovon ich spreche. Da ich schwerbehindert bin, kann ich auf das Auto nicht verzichten und auch nicht Fahrradfahren. Ich bin nach Werder umgezogen, weil ich das tagtägliche Verkehrschaos und im Winter nicht beräumte Straßen nicht mehr ertragen konnte! Ich bin an einem Sonntag um 13 Uhr durch Potsdam gefahren. Kaum Verkehr, maximal fuhren mit mir zwölf Autos auf der Zeppelinstraße. Also keine riesigen Verkehrsströme und kein Stau! Aber die Anzeige an der idiotischen Pförtnerampel zeigte „erhöhte Schadstoffwerte“, und das bei äußerst geringem Verkehr! Und da soll Einspurigkeit einer Bundesstraße helfen? Allerdings musste ich an jeder Ampel halten, weil die auf Rot schaltete und ein zügiges Fahren unmöglich machte. Das Stichwort „grüne Welle“ scheint in Potsdam ein Fremdwort. Herr Klipp sollte es gleich wie Städte im Westen oder den Nachbarländern machen, Farbe bekennen und die Innenstadt komplett für Autos sperren. Auch für Regierungs- und Staatskarossen. Und wie bei den Stadtbussen und Lübben und Templin sollte er das Fahren im Nahverkehr bezahlbar machen. Aber als Hauptstadt wird das wohl kaum möglich sein. Ich gebe zu bedenken, dass der Durchgangsverkehr das Ganze kaum realistisch erscheinen lässt. Also bleibt entweder alle raus oder optimierter Verkehrsfluss mit grüner Welle und Abbau von Ampeln. Auf Bundesstraßen muss es gleichmäßig rollen, dann gehen auch die Schadstoffe runter!

Brigitta Raupach, Werder (Havel)

 

Auf die Idee, die Zeppelinstraße einspurig zu verengen, kann man wohl nur in Amtsstuben kommen. Potsdam wächst, jedes Jahr um mindestens 2000 Bewohner, damit nimmt zwangsläufig auch der Verkehr zu. Wir brauchen eine intelligente Vernetzung aller Verkehrsträger, intelligente Verkehrslenkung, und nicht eine von grüner, autofahrerfeindlicher Ideologie geleitete künstliche Verminderung von eh knappem Verkehrsraum in Potsdam. Es gibt übrigens Menschen, die während eines Arbeitstages mehrere Außentermine an verschiedenen Orten wahrzunehmen haben, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu schaffen sind, und die auf einen vernünftigen Verkehrfluss angewiesen sind!

Andreas Neumann, Potsdam

 

An einem Tag, an dem ich 30 Minuten zwischen Lenné- und Zimmerstraße auf Parkplatzsuche war, solch einen Vorstoß zu lesen, erstaunt mich sehr. Was lässt sich Potsdam nicht alles einfallen, um dem Autofahrer das Leben schwer zu machen. Ich pendle jeden Tag aus Groß Kreutz kommend und im Schichtdienst arbeitend nach Potsdam. Allein das In-die-Stadt-Fahren kostete mich schon 20 Minuten und länger, dafür weiß ich nun auch, wie schön der Wald vor Potsdam ist. Danke dafür. Leider ist der Blick aus dem Auto in Potsdam dann nicht mehr so angenehm wie vorher an der Pförtnerampel. Nun nur noch eine Spur in der Zeppelinstraße zu haben, kommt einem verkehrstechnischen Selbstmord gleich. Den Vorschlag, das Auto vor der Stadt stehen zu lassen, muss ich ehrlich gesagt belächeln. Kennt die Stadt Potsdam denn ihre eigenen Parkgebührensätze? Wenn ich mir nun auch noch ein Ticket für die Bahn und den Bus kaufe, muss ich mir einen zweiten Job suchen, um zum ersten zu kommen. Aus den Dörfern fährt schlichtweg kein Bus. Solange die Stadt nicht auf der anderen Seite entgegenkommt, und das Teilnehmen am öffentlichem Nahverkehr erleichtert, wird sich nicht viel tun. Vielleicht wird eines Tages eingesehen, dass ein „Dafürsein“ für Bus und Bahn mehr bringt als ein „Dagegensein“ gegen Autos.

René Christ, Groß Kreutz (Havel)

 

Ich habe selbst vier Jahre an der Zeppi gewohnt. Eine einspurige Führung würde kurz- und mittelfristig definitiv einen Stau verursachen, welcher die Schadstoffbelastung erhöht! Umgekehrt könnte es eher klappen. Durch intelligente Ampelphasen und Lenkung

der Nebenstraßenströme und Fußgänger müsste der Hauptstraßenverkehr besser

fließen und schneller aus den neuralgischen Punkten verschwinden. Ansonsten kann nur mit entsprechenden Umgehungsstraßen oder durch sinkende Verkehrsmengen – Park-and-ride mit besserem Nahverkehrsangebot – eine Lösung gefunden werden. Ansonsten bleibt noch eine Verschärfung der Plakettenregeln. Autos, die weniger als 120 Gramm Kohlendioxid ausstoßen, dürfen immer, andere nur eingeschränkt in diese Zonen fahren. Sorry, SUV-Fahrer.

Thomas Ehrlich, Potsdam

 

Ich begreife nicht, warum der Status quo der Zeppelinstraße von einigen trotz der unübersehbaren Probleme als unveränderbar und kleineres Übel aufgefasst wird. Was ist denn so falsch daran, dem täglichen Stau auf der Zeppelinstraße mit Mitteln zu begegnen, die sich nicht in mehr Spuren und Ähnlichem erschöpfen, sondern ein Umdenken in eine gesamtgesellschaftlich sinnvolle Richtung fördern? Warum wird diesem Ziel mit soviel Hass und Selbstgerechtigkeit begegnet? Warum nehmen sich viele das Recht heraus, aus Bequemlichkeit oder wirtschaftlicher Potenz heraus mehr von unserem gemeinsamen Zuhause Erde zu beanspruchen als der Rest? Was ist so falsch daran, in einer Zeit, da Klimawandel und Verkehrskollaps durch Individualverkehr nicht mehr nur Thema bei „Ökospinnern“, sondern politisch wirksame Bedrohung ist, Alternativen zu denken und umzusetzen?

Michael Päch, Potsdam

 

Es verschlägt einem regelrecht die Worte, mit welcher politischen Motivation diverse Herren in der Potsdamer Bauverwaltung unterwegs sind. Während beispielsweise die Ausschreibung für die dringend notwendige provisorische Sporthalle in der Haeckelstraße wegen 1,2 Millionen Euro Baukosten von der Bauverwaltung aus wirtschaftlichen

Gründen aufgehoben wurde, stehen gleich hohe Mittel für den Rückbau einer zweispurigen Bundesstraße plötzlich zur Verfügung. Auch das Thema „erhöhte Feinstaubbelastung“ ist für die Maßnahme nur vorgeschoben, denn dort agitiert die Potsdamer Bauverwaltung mit zum Teil nicht korrekt hergeleiteten Argumenten und interpretiert Messergebnisse im Sinne der politischen Vorgaben um. Genauso fehl geht die Argumentation, die Ursache der Feinstaubbelastung nur im Individualverkehr zu suchen. Weiter ist unerklärlich, warum Potsdam nicht als milderes Mittel eine Umweltzone einrichtet, um damit wie in anderen Städten die Feinstaubbelastung zu reduzieren. Wenn man solche Maßnahmen andenkt, sollten zuvor die Rahmenbedingungen nicht nur ökologisch, sondern auch familiengerecht ausgestaltet sein, sodass überhaupt eine Bereitschaft zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel entsteht. Derzeit liegen aber nicht einmal im Ansatz entsprechende attraktive Rahmenbedingungen sowohl strukturell als auch kapazitiv vor. Es wird Zeit, dass Potsdam in den Landkreis Potsdam-Mittelmark eingegliedert wird, damit die Stadtverwaltung endlich begreift, dass Potsdam nicht der Orbit ist, sondern sich auch in den wirtschaftlichen Verflechtungsraum einzuordnen hat.

Andreas Boldt, Schwielowsee

 

Ich finde es unklug bis unverschämt, dass die Bauverwaltung eine solche Entscheidung im stillen Kämmerlein fällen will und erst danach die Öffentlichkeit informieren möchte. Das ist arrogant. Umso mehr, als dass die bisher durchgesickerten Informationen kein schlüssiges Konzept erahnen lassen. Es ist doch Irrsinn, mit der einschneidendsten Maßnahme, dem Rückbau der Zeppelinstraße, im Schweinsgalopp beginnen zu wollen, aber noch keine Idee davon zu haben, wie denn das entstehende Verkehrschaos bewältigt werden soll. Wir brauchen für dieses Projekt eine breite öffentliche Debatte! Für das Projekt spricht, dass ganz sicher die Verkehrs- und Umweltbelastung an der Zeppelinstraße sehr hoch ist. Ebenso sicher steht eine Reduzierung der Belastung ganz oben auf der Tagesordnung. Dazu benötigt man aber genaue Daten zu den Verursachern der Belastungen. Gibt es die? Park-and-ride-Plätze sind eine uralte Idee. Die gab es schon vor 40 Jahren. Aber wie geht es dann weiter? Gegen die Veränderung spricht, dass gewaltsame Eingriffe in das Verkehrssystem nur Chaos und Frust verursachen. Im Stau stehender Verkehr verursacht keinesfalls weniger Schadstoffe als fließender Verkehr. Man erreicht allenfalls noch, dass angrenzende Wohngebiete in den Stauverkehr einbezogen werden. Das verlagert die Schadstoffe in die Breite. Natürlich könnte die in der Zeppelinstraße stehende Messstation dann Erfolge vermelden. Aber was macht der Pendler, wenn er denn gewillt ist, sein Auto am Bahnhof Pirschheide abzustellen? Geht er zu der einen, dort alle 20 Minuten verkehrenden Straßenbahnlinie oder zu dem ebenfalls im Stau stehenden Bus? Soll er das derzeitige Angebot für attraktiv genug halten, um für die letzten zweieinhalb bis drei Kilometer, die noch vor ihm liegen, seinen bequemen fahrbaren Untersatz gegen den Nahverkehr einzutauschen? Das ist unter den aktuellen Bedingungen weder aus zeitlichen noch aus preislichen Überlegungen heraus zu erwarten. Preiserhöhungen und Taktausdünnung sowie Linienstreichungen, wie zuletzt bei dem Potsdamer Verkehrsbetrieb geschehen, sind ganz bestimmt kein Lockmittel für Autofahrer, in den Nahverkehr zu wechseln. Es gibt eine Unmenge von Einzelfragen, die es vor einer Entscheidung zu diskutieren gilt.

Andre Stech, Potsdam

 

Die Landeshauptstadt Potsdam mit ihren touristischen Sehenswürdigkeiten sollte die Feinstaubbelastung nicht in den Vordergrund spielen. Sehr viele Autofahrer müssen Potsdam durchqueren, um an Zielorte im Umland zu gelangen. Das wird bei der bisherigen Planung völlig außer Acht gelassen. Da hilft auch kein verstärktes Nahverkehrsangebot, das betriebliche Fahrzeuge eh nicht nutzen können. Es fehlt der dritte Havelübergang samt einer kleinen Stadtbrache für eine Durchquerungstrasse. Die DDR war da strategisch intelligenter und hat die Nutheschnellstraße genau in solcher Position 1975 errichtet. An ein solches Konzept muss angeknüpft werden. Ich habe in Geltow einen guten Bekannten und wohne selbst in Teltow. Eine Autofahrt nach Geltow durch Potsdam ist der blanke Horror, aber über die Autobahn hätte ich einen Umweg von 50 Kilometern zu absolvieren. Und mit dem Nahverkehr dauert die Fahrt zu lange, besonders auf dem Rückweg in den Abendstunden. Also verzichte ich lieber auf einen Besuch. Potsdam ist kein Museum und kein Paradies für Schöne und Reiche. Ich schlage vor, den Bau eines dritten Havelübergangs in einem Referendum zu stellen, an dem die Bürger Potsdams und des Landkreises Potsdam-Mittelmark teilnehmen sollten. Vielleicht gibt es als Ergebnis mal Nägel mit Köpfen!

Gottfried Vogel, Teltow

 

Der Stau wird durch die einspurig befahrbare Zeppelinstraße nur verschoben. Die Autofahrer, die auf das Auto angewiesen sind, bleiben dann in Babelsberg, Geltow oder anderen Zufahrtstraßen stehen und verstopfen diese Straßen. Es können nun mal nicht alle mit Fahrrad fahren, beispielsweise Familien mit Kindern, ältere Bürger oder Berufstätige aus der ländlichen Umgebung. Potsdam wächst zu schnell, im Umland wird Bauland freigegeben, Wohnungen gebaut, und dann hat man die verstopften Straßen. Es wird nicht anders werden, wenn die vielen Bürger im Norden Potsdams eingezogen sind. Potsdam hat zu wenige Umgehungsstraßen, das kleine Potsdam geht unter in dem vielen Auto- und Lastwagenverkehr.

Sabine Cora Meyer, Potsdam

 

Eine Bundesstraße verengen? Das wird der Bund der Kommune Potsdam wohl kaum durchgehen lassen. Die Schadstoffbelastung des Verkehrs durch eine größere des Dauerstaus ersetzen – und zwar bei laufenden Motoren? Das macht man nicht. Noch nicht einmal die Millionenstadt Berlin. Was „läuft“, wäre Schadstoffreduktion durch eine vernünftige Verkehrsplanung. Für den Quell- und Zielverkehr Potsdam kämen Straßenbahnen im Fünf-Minuten-Takt in Betracht. Und zwar bis zu kostenlosen Park-and-ride-Plätzen. Der Bahnhof Pirschheide bietet sich an. Bei Mitbenutzung der Bahngleise durch die Straßenbahn kämen auch die Bahnhöfe Caputh und Werder infrage. Für den Durchgangsverkehr von und nach Berlin denkt natürlich jeder an Umgehungsstraßen. Aber das wäre schwierig, denn Potsdam ist eine Insel, und natürlich kostet das auch. Sicher gibt es Lösungen, nur müssen die vorher geschaffen werden. Danach kommt die Verkehrsberuhigung von selbst. Aber erst einmal Schikane, und dann abwarten, was passiert, das zäumt das Pferd von hinten auf. Und es wäre wohl politisch wie rechtlich kaum durchsetzbar.

Ernst-Manfred Livonius, Schwielowsee

 

Ich dachte, das die Zeiten, in denen uns Bürgern vorgeschrieben wird, wie wir, mit was, irgendwo hinfahren, vorbei ist. Das scheint bei Herrn Klipp nicht angekommen zu sein. Nicht jeder hat seinen Arbeitsplatz nah an seinem Wohnort und ist auf das Auto angewiesen. Meine Schwiegermutter zum Beispiel wohnt in Saarmund und arbeitet in Geltow. Eine Stunde und 15 Minuten braucht sie mit Bus und Bahn, mit dem Auto 25 – 30 Minuten. Alle Personen, die in der Zeppelinstraße wohnen, egal wie lange, wissen, dass diese Straße einer der lautesten und dreckigsten ist. Niemand zwingt einen, dort zu wohnen. Es ist aber nun mal eine, wenn nicht sogar die wichtigste Straße in Potsdam. Wenn wieder mal ein Mikrogramm oder mehr den Grenzwert überschreiten sollten, das wird ja leicht zu messen sein, könnte man als einfachste Variante den Verkehr stadtauswärts ein- bis zweimal die Woche über die Geschwister-Scholl-Straße und dann über die Kastanienallee oder weiter über die Forststraße umleiten. Das spart Millionen an Umbaukosten und dieses Geld kann für Schulsanierungen genutzt werden. Da die Autoindustrie langfristig immer schadstoffärmere Motoren entwickelt und auch das Elektroauto immer weiter auf dem Vormarsch ist, hat sich das Problem bald von selbst erledigt.

Thomas Reinicke, Potsdam