Lesermeinung : Die Liga hat sich verkauft

„Die große Leere“ vom 2. Dezember

Stefan Hermanns trägt die Nachteile des Olympiastadions zusammen. Ursächlich für den relativ schwachen Besuch von Heimspielen von Hertha BSC sind mit Einschränkungen jedoch auch Faktoren, die mit dem – wie ich aus langjähriger Erfahrung weiß – wunderbaren Stadion gar nichts zu tun haben. Die Arroganz der Geschäftsleitung gegenüber langjährigen Fans, die sich wie ein roter Faden durch die vergangenen Jahre zieht: Ein blödsinniges Motto (We try. We fail. We win), rosa Trikots, schlechter Service bei den personell unterbesetzten Einlasskontrollen (Wartezeiten von bis zu 45 Minuten!), ein Trikotsponsor, der die Fans auffordert, doch lieber zu Hause zu bleiben: „Bet at home!“ Das machen wir!

Sehr wesentlich ist, dass die Liga sich immer mehr an das Fernsehen und die damit verbundenen Einnahmen verkauft hat. Anstoßzeiten Freitag 20.30 Uhr, Sonntag 17.30 Uhr, demnächst Montagabend, sind mit anderen Anforderungen des Lebens nicht kompatibel.

Samstag ist und bleibt der familientaugliche Fußballtag, das interessiert aber niemanden. Wie sollen es zum Beispiel die Auswärtsfans von Mainz 05 bei einer Anstoßzeit am Sonntag um 17.30 Uhr rechtzeitig am Montagmorgen zur Arbeit schaffen? Wer die Interessen der Kundschaft ständig missachtet, darf sich nicht wundern, wenn diese ausbleibt, trotz der derzeitigen sportlichen Erfolge. Ein Blick in die italienische Liga wäre hilfreich!

Andreas Neumann, Potsdam