Lesermeinung : Bei den Menschen

„SPD gewinnt Landtagswahl“ vom

15.9. 2014

Die Überschrift spielt den Ball in eine falsche Richtung. Denn auch wenn die SPD wieder zur stärksten Partei in Brandenburg geworden ist, wurde von ihr die Wahl eher verloren, da jene insbesondere in absoluten Zahlen ein sehr schwaches Ergebnis gegenüber früheren Zeiten eingefahren hat und es ihr inhaltlich nicht gelungen ist, den Einzug der AfD in den Landtag zu verhindern. Obwohl es hierfür gute Argumente gegeben hätte, da eine Abschottung nach außen niemals neue Arbeitsplätze schafft und selbst die Wahrscheinlichkeit für Investitionen in bestehende Anlagen verringert, weswegen die Sozialdemokraten dringend umdenken und sich wieder mehr an Regine Hildebrandt erinnern sollten, für die es keine leere Marketing-Phrase, sondern tiefste innere Überzeugung war, dass die Politik nah bei den Menschen sein und sich gerade mit ihren irrationalen Ängsten direkt auseinandersetzen muss!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Die Linke hat fünf Jahre den eher stillen, verlässlichen Regierungshelfer der SPD gespielt. Das haben ihr viele Wähler übelgenommen. Die linken Minister im Kabinett wurden von den bürgerlichen Provinzmedien aber auch sehr hart attackiert. Natürlich lässt sich ein disziplinierter PDS/Linke-Wähler durch so etwas nicht abschrecken, eher im Gegenteil. Bei einem Teil der Sympathisanten scheint das aber anders zu sein. Schöneburg und Christoffers müssen sich unnötige Fehler vorwerfen lassen, weil es für sie anscheinend zu schnell ganz „normal“ war, im bürgerlichen Parlamentarismus gleichberechtigt Minister geworden zu sein. Ich persönlich hätte mir weniger Kabinettsharmonie und mehr (konstruktive) Reibung gegenüber der SPD gewünscht. Bei vernünftiger Dosierung hätte sich das bei dieser Wahl ausgezahlt. Stattdessen übte man gegenüber der Öffentlichkeit ständig den harmonischen Schulterschluss mit der SPD.

Für die AfD wünsche ich mir einen kurzzeitigen Kometenflug, wie ihn die Piraten hingelegt haben. Der Erfolg beider Gruppierungen zeigt, dass dem Wähler im etablierten Parteienspektrum etwas fehlt. Man sucht nach mehr direkter Demokratie und nach klareren Antworten auf Lebensfragen. Aber immer mehr Brandenburger erwarten offensichtlich für ihre ganz konkrete Lebenssituation nichts mehr vom „Politik-Zirkus“ im Landtag. In den dramatischen minus 18 Prozent bei der Wahlbeteiligung spiegelt sich in Brandenburg aber wohl auch der Verlust des Zugpferdes Platzeck wider.

Bernd-Reiner Paulke, Potsdam