Lesermeinung : Alles Wahlkampf

„Linke will erneut Befragung zum ,Mercure’“ vom 16.1.2015

Fast täglich liest man, dass bei städtischen Baumaßnahmen von den Parteien Die Linke und Die Andere Bürgerbefragungen gefordert werden. Herr Dr. Scharfenberg als guter Genosse zu DDR-Zeit sollte sich doch einmal fragen, warum er damals zu Entscheidungen seiner Partei keine Bürgerbefragungen beantragt hat. Ohne die Bürger entmündigen zu wollen, sollten diese Maßnahmen nur von Fachleuten entschieden werden. Die besten Lösungen sollten dann der Bevölkerung zur Kenntnis gegeben werden. Für mich ist das Fordern von Bürgerbefragungen purer Wahlkampf. Beim Gestalten der Potsdamer Mitte nach historischem Vorbild ist es erstaunlich, dass alte Potsdamer und nach der Wende zugezogene Neubürger größtenteils dafür und viele in DDR-Zeit aus politischem Anlass zugezogene Neubürger dagegen sind. Ich erinnere auch an den Kampf der Partei Die Linke gegen den Wiederaufbau des Stadtschlosses. Schließlich wurde das Finanzministerium unter Leitung dieser Partei Bauherr und ist heute stolz auf das Gelingen. Gleiches trifft heute auf den Widerstand gegen den Wiederaufbau der Garnisonskirche als Versöhnungszentrum zu. Was kann ein Bauwerk für seine Geschichte? Der Bauherr, König Friedrich Wilhelm I., hat nie Krieg geführt. Was soll dazu eine Bürgerbefragung? Immerhin liegt eine Baugenehmigung vor. Mich wundert auch, dass ein Pfarrer, wie Herr Schorlemmer und andere Persönlichkeiten, die keine Beziehung zu Potsdam haben und hatten, sich gegen einen Wiederaufbau bekennen. Diese Parteien sollten ihren Widerstand aufgeben und sich freuen, wenn Potsdam ein Highlight wiedererhält. Vielleicht werden dann auch Gegner zu „Kirchengängern“. Auch eine Befragung zum Abriss des „Mercure“ und zur Gestaltung des Lustgartens ist widersinnig. Das Hotel passt nicht mehr in den städtebaulichen Raum. Das belegen auch die Studien von Architekten im Wettkampfverfahren.

Gottfried Wolf, Potsdam