Kommentar | Vergabe von Buslinien : Ungleichbehandlung

Aus Sicht der Gewerkschaft ist die Vergabe von Buslinien an private Unternehmen problematisch. Doch auch darüber hinaus wirft sie ein paar Fragen auf.

Der Tarif für die Kunden ist gleich, für die Fahrer aber nicht.
Der Tarif für die Kunden ist gleich, für die Fahrer aber nicht.Foto: Manfred thomas

Bei den privaten Busfirmen dürfte die Vergabe von 25 Prozent des Potsdamer Liniennetzes für 4,12 Millionen Euro für glänzende Augen gesorgt haben. Das sind 1,26 Millionen Euro mehr als bei der letzten Vergabe im Jahr 2015. In einer Zeit, in der zahlreiche touristische Aufträge wegen der Corona-Pandemie wegbrechen, ist eine zuverlässige öffentliche Geldquelle erst recht beruhigend. Und die Sache hat ja auch Vorteile für die Nutzer, wenn auf den Strecken dann komfortablere und größere Fahrzeuge eingesetzt werden. 

Politisch bleibt dennoch die Frage, warum der Verkehrsbetrieb seinen Fahrplan nicht selbst bestreiten kann. Es kommt ja nun alles andere als überraschend, dass diese Buslinien existieren und man dafür Fahrzeuge und Personal braucht. Der kommunale Verkehrsbetrieb hat einen öffentlichen Dienstleistungsauftrag. Die Fahrer machen den gleichen verantwortungsvollen Job. Es ist kaum zu vermitteln, dass einem Teil von ihnen der Tarifvertrag vorenthalten wird. Faire Bezahlung sollte nicht nur für das kommunale Klinikum gelten. 

Vor der Coronakrise sind Potsdams Trams und Busse von stetig mehr Menschen genutzt worden. Wenn das - klimapolitisch wünschenswert - so weitergehen soll, braucht man dafür auch ausreichend Personal. Das wird nicht zu Sparkonditionen zu bekommen sein.