Kommentar | Libeskind-Pläne in Babelsberg : Eine Chance

Natürlich sollte über den Entwurf des Stararchitekten Daniel Libeskind gestritten werden, prinzipiell in Frage stellen sollte man das Großvorhaben aber nicht - auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Der Entwurf des Architekten Daniel Libeskind.
Der Entwurf des Architekten Daniel Libeskind.Entwurf: Studio Libeskind, Repro: Andreas Klaer

Es war absehbar, dass der Entwurf für eine „Media City“ aus der Feder von Stararchitekt Daniel Libeskind für Debatten sorgen wird – mutet er doch sehr großstädtisch an. Allerdings ist das Vorhaben, abseits auch der Architektur, eine Riesenchance für Potsdam. 

Schon jetzt hat die Stadt mit SAP oder dem Wissenschaftspark in Golm viele zukunftsträchtige Arbeitsplätze erhalten – mit der neuen „Media City“, aber auch dem angekündigten Raw-Digitalzentrum in der Teltower Vorstadt und dem Kreativquartier an der Garnisonkirche sind weitere Gewerbebauten für die Kreativ-, Medien- und Internetwirtschaft geplant. Viele Kinder, die heute in Potsdam aufwachsen, werden möglicherweise in solchen Branchen einmal arbeiten können, ohne ihre Heimat verlassen zu müssen. 

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Potsdam und Brandenburg live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die sie hier für Apple und  Android-Geräte herunterladen können.]

Nebeneffekt: Die sich hier ansiedelnden Unternehmen werden Steuern zahlen, was angesichts der kostspieligen Ambitionen der Stadtpolitik auch nötig ist. Zugleich muss die Stadt nun auch dort mit einer Milieuschutzsatzung wie am RAW-Zentrum beginnen, um Verdrängungseffekte abzumildern.

Insofern muss man über den Entwurf von Libeskind natürlich streiten, die Folgen bedenken. Doch prinzipiell in Frage stellen sollte man das Großvorhaben nicht, dafür birgt das Projekt zu viele wirtschaftliche Chancen. Zumal der Entwurf auch modern und kreativ wirkt, ein echter Libeskind eben – und dies in einer Ecke von Babelsberg, in der architektonisch ohnehin nur noch wenig zu verbocken ist, in der eine solche Höhendominante durchaus vieles herausreißen kann. 

Und es ist ja auch so: In einer boomenden Stadt, in der die Flächen knapp werden, wird man gezwungen sein, auch in die Höhe zu bauen – um Natur nebenan bewahren zu können.