Kommentar | Debatte um Garnisonkirche : Krise als Chance?

Nach der Kritik des Bundesrechnungshofs muss neu gedacht werden. Reicht nicht eine Aussichtsplattform statt einer kunstfertigen Haube? Ein Kommentar von PNN-Redakteur Henri Kramer.

Die Diskussion um die Garnisonkirche nimmt kein Ende.
Die Diskussion um die Garnisonkirche nimmt kein Ende.Foto: Ottmar Winter

Die Kritik des Bundesrechnungshofs an der Finanzierung des Garnisonkirchturms ist so umfassend, dass hier noch einmal neu gedacht werden muss. Denn zwar steht nun schon ein durchaus beträchtlicher Turmstumpf, aber eben noch ohne Haube, die noch extra finanziert werden muss. 

Nach Lage der Dinge wird auch diesen Bauabschnitt die öffentliche Hand bezahlen müssen, weil die Stiftung Garnisonkirche kaum mehr neue Spender an Land ziehen wird – wegen der Negativschlagzeilen rund um das Projekt und weil nun selbst jene fehlen, die eigentlich einen kompletten Wiederaufbau des einstigen Gotteshauses verlangen und die durch den kürzlich ausgehandelten Verzicht auf das Kirchenschiff vergrätzt sind.

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In einer Lage aber, in der der Staat nun weitgehend einen Kirchturm finanziert, muss auch die Öffentlichkeit und eben das Gemeinwesen deutlich mehr als bisher an den Bauplänen beteiligt werden – also auch die Stadt Potsdam. Insofern ist es richtig, dass die von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) im Stadtparlament durchgesetzte Machbarkeitsstudie für das Umfeld der Garnisonkirche – Stichworte: Erhalt des Rechenzentrums und daneben ein Haus der Demokratie – auch auf den Turmbau ausgeweitet werden dürfte. 

So stellt sich etwa die Frage: Muss es noch eine kunstfertige Haube auf dem Turm sein oder reicht nicht eine Aussichtsplattform in mehr als 60 Meter Höhe, um Einnahmen zu generieren und weitere Ausgaben auf Kosten des Steuerzahlers zu vermeiden? Denn so wie sich die Kritik des Rechnungshofs liest, könnte auch der künftige Betrieb des als Lernort für Geschichte gedachten Turms für die öffentliche Hand noch kostspielig werden.

Und: Ein solcher Sparkurs böte die Möglichkeit, den Bruch mit der Geschichte der Militärkirche auch äußerlich am Turm noch deutlicher darzustellen als es bislang geplant war.