Kommentar | Bundestagswahl in Potsdam : Unerwartet klar

Im Wahlkreis 61 konnte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz seine Konkurrentin von den Grünen überraschend deutlich auf Abstand halten. Das Lokale war den Wählern offenbar nicht so wichtig.

Olaf Scholz (SPD) in seinem Potsdamer Wahllokal. 
Olaf Scholz (SPD) in seinem Potsdamer Wahllokal. Foto: Wolfgang Rattay / Reuters

Potsdam - Potsdam wählt – keine Überraschungen. Erst einmal seit der politischen Wende haben sich die Wähler:innen im Wahlkreis der Landeshauptstadt nicht mehrheitlich für einen sozialdemokratischen Direktkandidaten entschieden. Das war 2013, es gewann die CDU-Politikerin Katherina Reiche. Dass bei dieser im Wahlkreis 61 doch besonderen Stimmabgabe mit zwei Kanzlerkandidaten die Grüne Annalena Baerbock sehr deutlich hinter ihrem SPD-Konkurrenten Olaf Scholz liegt, überrascht dennoch. 

Denn Baerbock konnte im Wahlkampf mit der besseren lokalen Verankerung punkten, auch hatten viele vermutet, sie könne auf eine aufgeschlossene zugezogene Wählerschaft besonders in Potsdam bauen. Doch die Wähler:innen haben möglicherweise diesen lokalen Aspekten nicht viel Beachtung geschenkt.

Eine Mehrheit im Wahlkreis wünschte sich offenkundig eine starke SPD und machte wenig Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme. Nicht nur für Baerbock, der damit auch eine starke Homebase fehlt, auch für die CDU-Kandidatin Saskia Ludwig und den Linken Norbert Müller, die einen guten Wahlkampf gegen die Schwergewichte Scholz und Baerbock machten, ist das Ergebnis bitter – sie konnten den sinkenden Bundestrends ihrer Parteien nicht viel entgegensetzen.