Glosse zur Potsdamer CDU : Popcorn, bitte!

Die Stimmung in der Potsdamer CDU ist nicht die beste. Ein aktuelles Beispiel zeigt aber auch einen originellen Lösungsvorschlag für die Dauerquerelen, meint PNN-Redakteur Henri Kramer.

In der Potsdamer CDU herrscht derzeit keine Einigkeit (Symbolbild).
In der Potsdamer CDU herrscht derzeit keine Einigkeit (Symbolbild).Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Potsdam - Führen die innerparteilichen Auseinandersetzungen bei der Potsdamer CDU vielleicht zu einer Belebung der Innenstadt? Auf diesen Gedanken könnte man kommen, wenn man aktuelle Querelen in der Partei nicht als Erreichen einer neuen der nach unten offenen Streitniveau-Stufen begreift, sondern einfach Ideen konsequent fortführt. 

Was ist passiert? Die CDU-Fraktion will gegen die Verheerungen der Coronakrise besonders im Einzelhandel vom Rathaus ein Konzept für einen „Erlebnisraum Innenstadt“ finanzieren lassen. Es geht dabei um ein Maßnahmenbündel für fantasiereiches Gewerbe, mit dem Menschen in die Innenstadt gelockt werden sollen, „um den Trend der Verödung zu vermeiden“, so die Fraktion. 

Henri Kramer, Redakteur der Potsdamer Neuesten Nachrichten.
Henri Kramer, Redakteur der Potsdamer Neuesten Nachrichten.Foto: Sebastian Gabsch

Dabei soll die Stadtverwaltung selbst kreativ werden und leerstehende Ladenflächen anmieten um mögliche Publikumsmagnete zu schaffen. Helfen soll dabei ein „Erlebnisrat“ mit Mitgliedern der Kreativwirtschaft. So weit, so streitbar – aber immerhin eine Idee.

Sozialismus 2.0?

Nun muss man wissen: Seit Monaten ist die CDU chronisch zerstritten, zuletzt forderten drei der sieben Fraktionsmitglieder wegen ungeklärter Finanzfragen den Rücktritt von Fraktionschef Götz Friederich. Der neue Innenstadt-Antrag kommt aus dem Friederich-Lager – und gegen den gibt es nun öffentliches Sperrfeuer der Parteifreunde. 

So sah sich die CDU-Mittelstandsvereinigung zu einer Stellungnahme veranlasst, in der man sich ganz ausdrücklich vom CDU-Antrag distanzierte und von nichts weniger als „Sozialismus 2.0“ sprach. Der Klassenkampf-Ton der einen Christdemokraten gegen die anderen Christdemokraten: „Den staatssozialistischen Ansatz eines Erwerbs und/ oder Zwischenanmietung leer stehender Ladenflächen in der Innenstadt durch die Landeshauptstadt Potsdam lehnen wir ab, dieser ist nicht nur wirtschafts- und steuerpolitisch eine Irrlichterei, er steht auch gegen die Grundwerte der CDU.“

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Und nun? Vielleicht sollte die Partei diese beiden Sichtweisen zusammenbringen – also die Innenstadt beleben und dabei nicht die Stadtkasse belasten. Das ginge mit Eigeninitiative der Partei. Konsequent weitergedacht müsste dann der bald anstehende CDU-Parteitag vom Volkspark in die Innenstadt verlegt werden, mit Publikumslounge und Essen aus umliegenden Restaurants. Nicht zu vergessen: ein Popcorn-Automat und eine Mitleids-Spendenbox für die Partei, die eigentlich die Opposition gegen den SPD-Oberbürgermeister führen sollte.