Kolumne | PYAnissimo : Vierte Staffel – nichts gelernt?

Hat TV-Polizeihauptmeister Horst Krause Brandenburgs Polizei wirklich ein ungünstiges Image verpasst? Unsere Kolumnistin hat eine andere Sendung im Visier.

Dreharbeiten für Soko Potsdam in der Potsdamer Charlottenstraße.
Dreharbeiten für Soko Potsdam in der Potsdamer Charlottenstraße.Foto: Andreas Klaer

Die Brandenburger Polizeigewerkschaft hat eine neue Chefin. Die sagte den PNN, TV-Polizeihauptmeister Horst Krause hätte der hiesigen Polizei ein eher ungünstiges Image verpasst: Beleibt, gemütlich, ein bisschen dödelig.

Nun, richtig schnittig-sportlich ist der nie in den Streifenwagen gehopst, das stimmt. Aber dödelig? Immerhin hat er seine Fälle gelöst bekommen. Und Krause wäre ganz bestimmt nicht nach einem Amokalarm aus Versehen in der falschen Schule gelandet. Am andern Ende der Stadt. Hier noch mal die wahre Geschichte: Eine Schule meldet Amokalarm, eine Schule in Bornstedt, aber die Polizei fährt 20 Minuten durch den Stau zu einer Schule in Waldstadt. 

Weil das elektronische Datenprotokoll – elektronisch, um menschliche Kommunikationsfehler zu vermeiden – die falsche Adresse anzeigte. Was sowieso schon vollkommen Gaga scheint. Wie kann ein Computer Esplanade und Ravensbergweg verwechseln? Hat da jemand Scrabble gespielt?

Schauspieler Horst Krause spielte jahrelang den gleichnamigen TV-Polizeihauptmeister.
Schauspieler Horst Krause spielte jahrelang den gleichnamigen TV-Polizeihauptmeister.Foto: DPA

Jedenfalls, dem dödeligen Kollegen Krause wäre das nicht passiert, der hätte schon mit der elektronischen Ansage seine Schwierigkeiten gehabt, sich mit dem Mousekabel verheddert oder entnervt den Hörer hingeknallt und dann einfach mit einem Stift auf einen Zettel gekritzelt, was es sich zu merken gab. Er wäre ohne Navi losgefahren, hätte sich mit seinem Motorrad, übrigens eine ukrainische Dnepr, durch den Stau geschlängelt und noch jeden Möchtegern-Amokläufer überrumpelt. Gerade weil man ihm nichts zutraut. Alter, weißer, dicker Mann.

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Aber der Krause ist weg. Stattdessen gibt es Soko Potsdam. Vergangenen Montag wurde dort im ZDF Juwelier Braun überfallen, mit Geiselnahme. Die Täter trugen Gorillamasken (ich musste sofort an Affenpocken denken, das war aber auch der einzige witzige Moment), und die Kommissarinnen hatten Muffensausen. („Hast du sowas schon mal gemacht?“) Außerdem verpasste durch den Einsatz eine von ihnen (fragen Sie mich nicht nach dem Namen, für mich sind das zwei miteinander verschmelzende Nicht-Charaktere) zu Hause das Kartoffelgratin.

Unsere Autorin Steffi Pyanoe ist freie Mitarbeiterin der PNN. Sie lebt in Babelsberg.
Unsere Autorin Steffi Pyanoe ist freie Mitarbeiterin der PNN. Sie lebt in Babelsberg.Sebastian Gabsch

Give Soko a Chance

Aber das war Staffel zwei. Bin dann in der Mediathek direkt zu Staffel vier gesprungen. Give Soko a Chance. Aber da sind die Kommissarinnen immer noch blutjung, sie beugen sich mit wehenden Haaren über eine Leiche und trampeln durch den Tatort am matschigen Seeufer. Nein, verwertbare Spuren gibt’s hier jetzt nicht mehr und das liegt nicht am Wetter. Dazu sprechen sie ihre braven Dialoge wie beim Lesewettbewerb der 3. Klasse mit Stimmen, als hätten sie mit Botox gegurgelt. Hoffentlich schlafen sie vor lauter rechtschaffener Zurückhaltung nicht gleich ein, denke ich.

Was ist beim Erfinden dieser Serie schiefgelaufen? Wenn unsere Polizei ein Imageproblem hat, dann liegt das nicht an Wachtmeister Krause. Bei dem wussten alle, dass er ein Typ ist. Liebe Soko-Autoren, da geht noch was. Nicht zuletzt geht es auch um den Ruf unserer Landeshauptstadt. „Soko Potsdam wird immer hirnrissiger“, schreibt jemand in einer Kommentarspalte. Das darf so nicht stehen bleiben.