Kolumne PYAnissimo : Eine Kerze für Christophorus

Sie überlegen nach Krampnitz zu ziehen? Da empfehlen wir zunächst die Lektüre des Fragenkatalogs unserer Kolumnistin  Steffi Pyanoe.

In Krampnitz sollen zukünftig über 10.000 Menschen leben.
In Krampnitz sollen zukünftig über 10.000 Menschen leben.Foto: Ottmar Winter

Allen Unkenrufen zum Trotz wird bereits im Geheimen an der Besiedlung von Krampnitz gearbeitet. Den PNN liegt jetzt der Fragebogen für Wohnungsbewerber vor. Testen Sie selbst, ob Sie sich als Neu-Krampnitzer eignen. Hier kommen die Fragen:

Lieben Sie das Landleben, Ruhe und Abgeschiedenheit und genießen es auch mal, einige Tage Ihre Wohnung nicht zu verlassen und auf Besuche in Potsdam und Berlin zu verzichten? Sind Ihre Freunde und Verwandten, die sie möglicherweise in Potsdam zurücklassen, mit der dauerhaften Trennung einverstanden? Lieben Sie die anheimelnde und zukunftsweisende Geräuschkulisse von Tiefladern, Baggern, Planierraupen und Kränen vor Balkon und Terrasse? (Tipp: Sammeln Sie einen Bonuspunkt, wenn Sie bereits Gummistiefel und Gehörschutz besitzen.)

Konsultieren Sie regelmäßig Haus- oder Fachärzte, Fußpflege und Physiotherapie? Sind Sie oder ein Mitbewohner täglich auf die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes, der mit dem PKW anreist, angewiesen? Wenn ja, kündigen Sie rechtzeitig alle Verträge und melden Sie sich für das Telemedizinprogramm an. Bitte machen Sie sich außerdem mit der App „Kramp-Doc“ vertraut. Das Willkommenspaket „Kleine Chirurgie am Küchentisch“ samt Verbrauchsmaterial und Notfallset mit Ready-to-use Tetanusspritze wird Ihnen beim Einzug überreicht.

Gehen Sie gerne spazieren, auch längere Strecken entlang der B 2? Können Sie sich vorstellen, eine örtliche Lauf-Gruppe zu gründen? Brauchen Sie unbedingt Kulturangebote wie Kino, Konzerte und Theater? Alternativ bieten wir zum Mietvertrag das attraktive Entertainmentpaket „Netflix plus Sonnenuntergang überm Fahrländer See“.

Haben Sie schulpflichtige Kinder oder Kinder im Kitaalter? Wenn Ja, brechen Sie hier bitte ab.

Was machen Sie beruflich? Arbeiten Sie als Youtuber von der heimischen Couch aus oder müssen Sie oldschool zu Ihrem analogen Arbeitsplatz pendeln? In diesem Fall bitte weiter zum Formblatt „Viel Glück“, ebenso ist eine Einverständniserklärung samt Risikoübernahme des Arbeitgebers einzureichen.

Sind Sie gesellig und empfangen gerne Besuch? Dann bitte angeben, wie oft und mit welchem Verkehrsmittel (siehe Formblatt „Viel Glück“) die An- und Abreise bewältigt werden soll. Nutzen die Gäste private Kfz und benötigen einen temporären Stellplatz innerhalb der Bannmeile? Dann registrieren Sie sich bitte für den Kurs „Man muss auch mal Nein sagen können oder Manchmal, aber nur manchmal: Kommunale Besucherflussoptimierung mit Doodle.“

Gehen Sie ab und zu in ein gepflegtes Restaurant? Warum? Bitte belegen Sie umgehend das Umschulungsmodul „Tschüss kleiner Italiener: Wie die Pizza aus dem eigenen Herd viel besser schmeckt als aus Luigis Steinofen in der historischen Innenstadt“.

Besitzen Sie einen Pkw? Ernsthaft?? Da Ihnen nur ein halber Stellplatz zusteht: Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, welche Mieterpartei Ihnen die andere Hälfte zum Wucherpreis überlassen wird? Alternativ legen Sie bitte Ihre Zulassung zur Stellplatzlotterie in Kopie bei und zünden Sie in Sankt Peter & Paul bis zur Verlosung jeden Sonntag eine Kerze für den Heiligen Christophorus an.

PNN-Autorin Steffi Pyanoe.
PNN-Autorin Steffi Pyanoe.Foto: Sebastian Gabsch