Kolumne | Etwas Hella : Blühende Landschaft dringend gesucht

Sandsäcke statt Blumen: Unsere Autorin Hella Dittfeld hätte sich bei der Einheits-Expo mehr Blütenpracht gewünscht.

Hella Dittfeld
Einheits-Expo in Potsdam mit einer schwarz-rot-gold-Inszenierung im Stadtkanal.
Einheits-Expo in Potsdam mit einer schwarz-rot-gold-Inszenierung im Stadtkanal.Foto: Peter Raddatz / pnn

Welch eine Lust, durch die blühende Dahlienlandschaft des Britzer Gartens in Berlin zu spazieren - und das ganz ohne Jahrestag und besonderen Anlass. Einfach nur so. 

Wenn auch Potsdams City alles andere als ein Schaugarten ist, zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit hatte ich doch auch hier auf blühende Landschaften gehofft. Die hatte mir schließlich ein Bundeskanzler versprochen. Die einzelnen Länder von Bayern bis Bremen haben sich natürlich blumig in den Glaspavillons dargestellt, aber geblüht hat mir eher nichts.

Am Alten Markt schuf Brandenburg mit Sand und Schilf ein landestypisches Biotop. Warum die einzelnen Ausstellungen aber Sandsäcke einrahmen, wo es doch ausgerechnet bei uns so gut wie gar nicht mehr regnet und keine Überschwemmungen zu erwarten sind, das weiß der Himmel und natürlich der Landesrechnungshof. 

Sandsäcke als Ausstellungsgag

Denn der achtet garantiert auf Sparsamkeit und jedem ist klar, dass Sandsäcke im Unterschied zu Blumen nicht gegossen werden müssen. Der Pavillon, den das Camp Moeve am Gräbendorfer See bespielt, wurde wenigstens mit ein paar Erika-Pflanzen verziert. Doch wenn auch märkische Heide und märkischer Sand unser Markenzeichen sind, Alter Markt und Platz der Einheit würden durchaus - sozusagen als Ausstellungsgag - etwas mehr blühende Landschaft vertragen. 

Einheits-Expo in Potsdam am Luisenplatz.
Einheits-Expo in Potsdam am Luisenplatz.Foto: Peter Raddatz / pnn

Zu allem Überfluss gibt sich ausgerechnet der Pavillon des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen ziemlich zugeknöpft, Bremen als kleinstes zur Freude der Besucher wenigstens musikalisch-freundlich.

Die Potsdamer Innenstadt tut sich ja seit ihrer Restaurierung als barocke Altstadt ohnehin schwer mit dem Grün oder gar mit Blumenschmuck, denn beides ist nicht historisch belegt und da kommt auch so etwas Impertinentes wie Blumenampeln an Laternenmasten oder gar Blumengestelle an markanten Orten, wie es sich andere Städte unverschämterweise leisten, nicht infrage. Erstaunlich, dass vor dem Stadtschloss immerhin ein klitzekleines Blumeninselchen gepflanzt wurde. 

Herbstlich vergilbt

Was Geschäftsleute aus eigener Initiative töpfeweise vor die Tür stellen, nimmt sich leider von Fall zu Fall auch recht – na sagen wir es mal freundlich – herbstlich vergilbt aus. Dann allerdings kommt die erste Ausnahme ins Blickfeld – der Luisenplatz. Der verdankt seine Blumenrankelei zwar ebenfalls privatem Engagement, aber einem sehr eigensinnig liebevollem. Womit wir uns der deutsch-deutschen Vereinigungsmeile, ansonsten Hegelallee genannt, nähern. 

Auch da blüht uns eigentlich nichts außer einem Schilderwald und staubtrockenem Gras am Rande, aber dann kommt eine Ausnahme ins Bild: Der Thüringen-Pavillon. Erfurt richtet 2021 die Bundesgartenschau aus und präsentiert schon mal vorab ein wahres Blütenmeer.

Mir aber wird ganz nostalgisch, denn auch Potsdam konnte einst (lang, lang ist es her) Buga, sogar in der City. Dabei dachte ich, wo doch Blumen kein Corona kriegen, sie wären besonders einheitsfeiertauglich.