• Zwischen analog und digital: Kammerakademie Potsdam hofft auf Sommerkonzerte

Zwischen analog und digital : Kammerakademie Potsdam hofft auf Sommerkonzerte

„Wir müssen auf Sicht fahren": Geschäftsführer Alexander Hollensteiner gibt den Kurs durch die dritte Corona-Welle vor. Am Sonntag sendet die Kammerakademie einen Ostergruß.

Babette Kaiserkern
Einblick in das 3D-Filmprojekt von Xenorama und der Kammerakademie Potsdam.
Einblick in das 3D-Filmprojekt von Xenorama und der Kammerakademie Potsdam.Foto: Xenorama

Potsdam - Wie alle Kulturschaffenden kämpft die Kammerakademie Potsdam seit über einem Jahr mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Dabei steht das Orchester der Landeshauptstadt vergleichsweise gut da, wie Alexander Hollensteiner, Geschäftsführer der KAP, im Gespräch mit den PNN erklärt. Dank der institutionellen Förderung durch Stadt und Land sei die materielle Basis etwa zur Hälfte noch vorhanden. 

Weitere Geldquellen - etwa Konzerte, Gastspiele und Tourneen - sind jedoch derzeit versiegt. Mit viel Glück und Einsatz konnten die Musiker, die bei der Kammerakademie seit jeher auf freiberuflicher Basis mitspielen, dennoch im vergangenen Jahr einige Projekte realisieren. Und für ausgefallene Konzerte gab es ganz zu Recht Kompensationen, wie Hollensteiner sagt, denn es gab ja eine Vorbereitung auf die Konzerte. Sein Fazit für die nächste Zeit lautet: „Wir müssen weiterhin auf Sicht fahren“.

Alexander Hollensteiner, Geschäftsführer der Kammerakademie Potsdam.
Alexander Hollensteiner, Geschäftsführer der Kammerakademie Potsdam.Foto: promo

Hoffnung auf den Sommer

Derzeit weiß noch niemand, wie es mit dem Konzertwesen weitergeht. Zwar besteht die große Hoffnung, dass im Sommer im Rahmen des Programms „Die Stadt als Bühne“ einige analoge Konzerte vor Publikum stattfinden können. Doch bis dahin geht es mit geradezu rasender Geschwindigkeit im digitalen Raum weiter. Unter anderen Umständen wären sicher nicht all die Formate entstanden, mit denen die Kammerakademie derzeit neue Wege der musikalischen Präsentation erschließt. Dafür wurde der analoge Konzertbetrieb komplett umorganisiert. 

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Seit Dezember präsentiert sich das Orchester auf dem Wege des Live-Streams, das Symphoniekonzert im März erklang sogar zeitgleich auf rbbKultur und im Online-Stream. Der Heimvorteil gilt da nicht mehr, statt lautstarkem Applaus zählen jetzt Klicks: „Es gab sogar schon mal bis zu 1000 pro Abend“, sagt Alexander Hollensteiner nicht ohne Stolz. Beim nächsten Live-Stream-Konzert am 17. April erklingt Beethovens Musik zu dem Ballett „Prometheus“ – ein selten gespieltes heroisch-dramatisches Schlüsselwerk mit wunderbarer Musik als Zugabe zum Beethovenjubiläum.

Größeres Publikum erreicht

Zwar vergrößert sich so die Erreichbarkeit der Kammerakademie weit über das Potsdamer Stammpublikum hinaus, aber zugleich muss mit zahlreichen anderen digitalen Konzertangeboten konkurriert werden. Wer oder was am Ende in diesem Kampf um die Aufmerksamkeit in der medialen Welt überleben wird, ist noch längst nicht geklärt. Doch mit neuen Aufnahmen von drei Mozart-Symphonien, zwei Beethoven-Symphonien und dem „Musikalischen Opfer“ von J. S. Bach in einer Fassung von Jan Böttcher ist die Kammerakademie schon gut gerüstet.

Im Bereich der Kinderkonzerte eroberte die Videoserie KiKOKAP erfolgreich Neuland. In den ersten drei Staffeln gibt es lustige Geschichten für vier- bis achtjährige Kinder, die vierte und fünfte Staffel sind für Acht- bis Zwölfjährige gedacht.

Nach Ostern geht die neue Staffel zum Thema Geige und Geigenbau online. Die kurzen, unterhaltsamen und lehrreichen Videos können zu jeder Zeit auf der Webseite der KAP abgerufen werden.

Dialog zwischen Mensch und Maschine

Mit dem Potsdamer Videokollektiv Xenorama realisierte die Kammerakademie ein multimediales Projekt zwischen analogem Musizieren und digitaler Technik. Während die Musiker traditionell Musik machen, reflektiert ein Computer diese zeitgleich in Bildern und Tönen, so dass ein Dialog zwischen Mensch und Maschine entsteht. 

Statt einem Stream zu folgen, sollen die Besucher mitten im Geschehen sitzen, dessen visuelle und akustische Reize nach Belieben mit einer VR-Brille verstärkt werden können. Dabei verschwimmen die Wahrnehmungsweisen und zugleich werden neue Perspektiven auf etablierte musikalische Formen geworfen. 

Das Projekt mit dem Titel „Reflect“ wird am 1. Mai im Kesselhaus des Waschhauses Potsdam zu sehen sein, aber womöglich bald auch in einem der derzeit leerstehenden Läden in der Potsdamer Innenstadt. Ganz klassisch geht es dagegen beim Konzert mit Antje Weithaas zu, das im Februar im Nikolaisaal Potsdam aufgenommen wurde. 

Die renommierte Geigerin spielt mit dem Violinkonzert d-Moll und der 9. Streichersinfonie zwei klangvolle Jugendwerke des dreizehnjährigen Felix Mendelssohn Bartholdy. Mit diesem Konzert sendet die Kammerakademie ihrem treuen und womöglich neuen Publikum einen musikalischen Ostergruß. Das Konzert ist ab Sonntag abrufbar.

Digitale Formate der Kammerakademie Potsdam:

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