Kultur : Zähmung eines Widerspenstigen?

Poetenpack mit Shakespeares „Ende gut, alles gut“ auf dem Pfingstberg

Astrid Priebs-Tröger

Es sieht auf den ersten Blick gar nicht so aus, als wäre der junge Graf von Roussillon der Liebe nicht zugetan. Denn am gestrigen sonnigen Vormittag jagt Andreas Hueck vom Poetenpack in der Rolle des Bertram seiner Angebeteten, einer liebreizenden Schönen im leichten Sommerkleid, auf den Treppen des Belvederes auf dem Pfingstberg hinterher. Das heimliche Rendezvous geht weiter mit einem Apfel-Fangespiel, heißen Liebesschwüren und der Melodie des wohlbekannten Hochzeitsmarsches.

Ende gut? Alles gut? Könnte man meinen. Auf den ersten Blick. Denn es scheint alles nur so einfach: Als Diana dem Geliebten ein mitternächtliches Stelldichein verspricht, als Liebespfand von ihm einen wertvollen Ring verlangt und dafür bereit ist, ihre Unschuld zu opfern. Aber ist sie das wirklich? Und wer ist überhaupt Diana? War der junge Graf nicht eigentlich Helena versprochen? Sogar mit ihr vermählt, nachdem sie den sterbenskranken König von Frankreich geheilt hatte? Fragen über Fragen, Unsicherheit, Verwirrung. Aber wir sind schließlich in einem Shakespeare-Stück, dessen story sich zudem noch aus einer Erzählung aus Boccaccios „Decamerone“ speist.

In der diesjährigen vierten Belvedere-Sommertheater-Inszenierung des Poetenpack kommt „Ende gut, alles gut!“ am kommenden Donnerstag zu seiner Potsdam-Premiere. In der Regie des Magdeburger Schauspielers und Regisseurs Wolfgang Heiderich. Davor erlebte es schon sehr gut aufgenommene Aufführungen im Niedersächsischen Renaissance-Schloß Hünnefeld, wie Theaterleiter Andreas Hueck begeistert erzählt. Die beiden Vorstellungen zu den, in diesem Jahr erstmals stattfindenden Schlossfestspielen waren restlos ausverkauft und die Besucher kamen aus Hamburg, Bremen und Osnabrück, um „die Zähmung eines Widerspenstigen“, so Hueck, zu erleben. Nicht nur, weil dieses Shakespeare Stück, dessen Titel beinahe sprichwörtlich ist, selten gespielt wird, sondern weil es um die Frage geht, „was wahre Liebe mit Menschen machen kann“. Denn die schöne und intelligente, aber mittellose Helena setzt alles auf eine Karte, um den begehrten und geliebten Mann zu erringen. Und man ist sehr bald geneigt zu fragen, woher diese Frau, die ungeheure Kraft und die Sicherheit nimmt, das alles und noch mehr zu wagen.

„Ende gut, alles gut!“ bietet neben sehr geistreichen, an französischer Konversation geschulten Dialogen auch wunderbare Rollen für Komödianten. Hueck ist sehr froh, dass er für die Rolle des Parolles – des windigen Gesellschafters des Grafen von Roussillon –Lars Wild verpflichten konnte. Die große Liebende Helena wird von der jungen Österreicherin Joanna Castelli verkörpert, die zum ersten Mal, genau wie Susann Kloß als Diana, beim Poetenpack spielt. Und damit die erneuerte Truppe gut zusammenwächst, gab es nach der achtwöchigen Probenzeit noch eine viertägige Klausur, bei der nicht nur geprobt, sondern auch die Nächte durchgetanzt wurde. Nach Akkordeonmusik von Bardo Henning, der auch für die Kompositionen in der Inszenierung verantwortlich zeichnet und eine Vielzahl von Stücken erfand, die stilistisch in die Shakespeare-Zeit und an die verschiedenen Spielorte im Stück, wie Paris, Florenz und Roussillon passen.

Man darf gespannt sein, was die Potsdamer in der kommenden Woche, wieder auf der Bühne vor dem Portal des Belvederes erleben werden und ob sich die Ankündigung im Stücktitel bewahrheiten wird. Astrid Priebs-Tröger

Premiere am 17. August, 20 Uhr, weitere Vorstellungen: 18., 20., 24., 25. und 26. August, 20.30 Uhr, am Belvedere auf dem Pfingstberg

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