• Wer geht wem auf den Zünder? Collegium Musicum zeigt „Die schöne Galathée“

Kultur : Wer geht wem auf den Zünder? Collegium Musicum zeigt „Die schöne Galathée“

Liebe, Schwärmerei und Eifersucht, Tricksereien, Verblendungen und Irrungen. Alles Zwischenmenschliche findet sich in der Operette „Die schöne Galathée“. Klingt altbacken – und Operette sowieso – ist es aber nicht, sagt Knut Andreas, Orchesterleiter des Potsdamer Sinfonieorchesters Collegium Musicum, das die Operette von Franz von Suppé im November aufführt. „Wir stellen uns doch heute dieselben Fragen“, sagt Andreas: „Was geht in einer Beziehung, wie lange hält es und wann zerbricht es?“ Das Stück werde deshalb ganz sicher nicht als antike Inszenierung mit Schnürsandalen auf die Bühne kommen.

Garant für eine lockere Inszenierung mit Zeitbezug ist, dass Gretel Schulze, künstlerische Leiterin des Potsdamer Kabaretts am Obelisk, die Regie übernommen hat. „Wir sind gespannt auf ihre Ideen“, sagt der Orchesterleiter. Die erfahrene Kabarettistin, die an der Filmhochschule Potsdam zu Defa-Zeiten Regie studierte und jahrelang als Regisseurin auch am Hans-Otto-Theater arbeitete, stellt die Kernfragen der Operette, die vor ziemlich genau 150 Jahren uraufgeführt wurde, folgendermaßen: „Wer geht wem auf den Zünder? Und wie tricksen sich die Männer dabei gegenseitig aus?“

Die Geschichte geht so: Der Bildhauer Pygmalion hat eine Statue geschaffen, die so schön ist, dass er sich in sie verliebt. Sie soll ganz ihm gehören, er versteckt Galathée sogar vor seinen Kunden. Aber der Kunstliebhaber Mydas hört davon, wird neugierig und besticht Pygmalions Diener, um die Statue sehen zu dürfen. Als Pygmalion das erfährt, jagt er seinen besten Kunden davon. Und fleht zur Göttin Venus, seine Statue endlich zum Leben zu erwecken. Aber die lebendige Schönheit ist äußerst lebenshungrig und sexbesessen und Pygmalion muss zusehen, wie sie auch andere Männer betört. So war das nicht gedacht, die Frau nervt, die Situation entgleitet ihm. Nur Venus kann ihn retten und die Sache rückgängig machen. Anschließend wird die Statue sicherheitshalber an den ahnungslosen, schwärmenden Mydas vertickt.

„Es ist von Anfang an eine urkomische Katastrophe“, sagt Knut Andreas. Als die Operette 1865 in Berlin uraufgeführt wurde, war sie schnell erfolgreich. Was an dem Stoff lag, aber auch an einer damals sehr angesagten Besonderheit. Suppé hatte in das Stück eine so genannte Hosenrolle eingebaut. So ist der Diener Ganymed als Mezzosopran und somit als Frauenrolle angelegt. Dass damals eine Frau in Hosen auftrat und dann auch noch in einer Liebesszene die schöne Galathée küssen musste, sei sehr pikant gewesen, so Andreas. „Die Kussszene war ein Event auf der Bühne.“ Diese Rolle wird die Sängerin und Musicaldarstellerin Uta Jacobi übernehmen. Ilona Nymoen spielt Galathée und arbeitet, wie Christian Theodoridis als „Mydas“ schon länger mit dem Orchester zusammen. Vit König, Opernsänger aus Tschechien, singt „Pygmalion“. Das Sinfonieorchester tritt in fast kompletter Besetzung auf.

Es ist das dritte Mal, dass das Potsdamer Orchester Musiktheater im großen Stil aufführt. Die Aufführungen der Operette „Drei alte Schachteln“ 2015 als auch die Weihnachtsoper „Hänsel und Gretel“ vom vergangenen Jahr waren jeweils nahezu ausverkauft. Potsdam kann Musiktheater gut vertragen, sagt Andreas zur Wiederentdeckung des alten Genres für das Collegium Musicum. Glücksgriff war vermutlich auch die Wahl der Biosphäre aus Aufführungsort gewesen. Die Orangerie neben der Tropenhalle bietet Platz für die etwa 60 bis 70 Musiker, Bühne sowie bis zu 400 Zuschauer. Mit einer Eintrittskarte kann man die Tropenlandschaft vorher besuchen. Zusätzlich bietet die Biosphäre Kombikarten inklusive Kaffee und Kuchen oder Dinner im hauseigenen Restaurant. Steffi Pyanoe

Am 18. und 19. 11. jeweils um 16.30 Uhr in der Biosphäre, Karten kosten 17 bis 22 Euro und sind ab sofort an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Karten mit Restaurantbesuch sind nur in der Biosphäre zu buchen.

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