Kultur : Wandeln und Bandeln im Palais

Die Kammerakademie Potsdam zu Gast im leeren Museum Barberini

Musik mit Kommen und Gehen. Die KAP im Museum Barberini.
Musik mit Kommen und Gehen. Die KAP im Museum Barberini.Foto: M. Thomas

Das Palais Barberini war einst ein beliebter Konzertort. Namhafte Musiker gaben sich in ihm ein Stelldichein. Wilhelm Kempff und Hans Chemin-Petit etwa in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. So hat Wilhelm Kempff, der zu einem weltberühmten Pianisten avancierte, im Jahre 1907 als Elfjähriger sein erstes Konzert im Palais absolviert. Die Zeitungen überschlugen sich mit Lobeshymnen über den hochbegabten Schüler. In einer Kritik hieß es, dass die sonst so wohlerzogenen Bürger und Bürgerinnen der Residenzstadt mit Händen und Füßen geklatscht hätten.

Viel Applaus ernteten am Sonntagnachmittag auch die Mitglieder der Kammerakademie Potsdam für ihre musikalischen Vorträge im Museum Barberini, dessen noch leere Ausstellungssäle eine angenehme Akustik für das Wandelkonzert lieferten. Während der fast einwöchigen stark frequentierten Besuchertage, bei denen das Haus sich noch ohne bildende Kunst präsentierte, spielte auch die einstige Nutzung von Barberini bis zu seiner Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkriegs eine informative Rolle.

Das Museum Barberini ist um ein gutes Zusammenspiel mit Potsdams Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen bemüht. Ihr Facettenreichtum soll dadurch noch stärker zum Tragen kommen. Dazu gehört auch die in der internationalen Musikwelt hoch anerkannte Kammerakademie Potsdam. Ihr Geschäftsführer Alexander Hollensteiner sagte gegenüber den PNN: „Das Museum und unser Orchester haben eine inhaltliche Kooperation im Veranstaltungsbereich abgesprochen, wobei beide Partner einen dezidierten Bildungsanspruch verfolgen, der sowohl Fachleute wie das interessierte Publikum ansprechen soll. Vorstellbar sind beispielsweise interdisziplinäre Veranstaltungsformate, die die Kunstformen Bildende Kunst, Wissenschaft und Musik miteinander verbinden. Hierzu sind wir derzeit noch im engen Austausch und werden konkrete Ideen und Pläne in Bälde vorstellen.“

Nun füllten aber schon Mitglieder der Kammerakademie das Museum mit Klangfarben. Man wählte dafür variationsreiche Kammermusik der Barockzeit, der Klassik und der Gegenwart. Bettina, Lange, Flöte, Jan Böttcher und Birgit Zemlicka-Holthaus, Oboe, Duos und Trios von Georg Philipp Telemann und Joseph Bodin de Boismortier musizierten mit launiger Spielfreude. Konzertmeisterin Yuki Kasai ließ auf ihrer Violine die verschiedenen Stimmungen einer Nacht in dem dichten Stück „Nachtklang“ zum Schwingen bringen, die Bratscherin Jennifer Anschel spielte zwei Sätze aus der Solo-Suite Nr. 6 in G-Dur von Johann Sebastian Bach mit schöner Klarheit und innerer Anteilnahme. Die Geigerin Laura Rajanen machte die Zuhörer mit dem Stück „Cadenza“ des Finnen Aulis Sallinen bekannt, in dem der Komponist viel nordische Frische einzubringen verstand. Sowohl Rajanen als auch David Eliis, von dem Tobias Lampelzammer eine Solosonate für Kontrabass spielte, schöpften die Instrumente in ihren klanglichen Möglichkeiten reichlich aus. Abschließend gaben Yuki Kasai und Maia Cabeza, Violine, Jennifer Anschel, Viola, und Vashti Hunter, Violoncello, stets aufmerksam dialogisierend und mit Frische musizierend das von vielen Kontrasten lebende „Dissonanzenquartett“ in C-Dur KV 465 von Wolfgang Amadeus Mozart zu Gehör. Bis zum 23. Januar 2017 ist das Palais Barberini nun wieder geschlossen, dann wird der Glanz der Kunst über Potsdam weit hinausstrahlen. Klaus Büstrin