Kultur : Von der Ufa zur Defa

Potsdamer Gespräch: „Das Ende des Krieges und der Film“ heute im Filmmuseum

Grit Weirauch
Auferstanden aus Ruinen. Das Stadtschloss lag in Trümmern, die Kultureinrichtungen Potsdams aber sollten bald wieder Orte des Austauschs, der Unterhaltung und der intellektuellen Begegnung werden – so wollte es die sowjetische Besatzermacht. Schließlich war die Kultur auch der Ort der geistigen Umerziehung.F.: Herbert Posmyk
Auferstanden aus Ruinen. Das Stadtschloss lag in Trümmern, die Kultureinrichtungen Potsdams aber sollten bald wieder Orte des...

Das Vakuum, es währte kaum ein Jahr. Letztlich dauerte es nur wenige Monate, bis aus der Ufa die Defa wurde – neben den Bavaria–Studios in München die wichtigste Produktionsstätte für deutsche Filme, die einzige in der sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR. Das Vakuum begann wenige Tage vor Ende des Krieges. In Babelsberg wurde bis zuletzt gedreht, erst mit der Besatzung Babelsbergs am 24. April durch die sowjetische Armee verwaiste das Filmgelände. Aber auch nicht wirklich: Die riesigen Hallen wurden statt für Kulissen und Filmdrehs als Garagen für sowjetische Lastwagen genutzt, sie waren in den letzten Kriegstagen Fuhrpark und Lagerhalle zugleich. Bereits knapp ein Jahr nach der Übernahme, am 17. April 1946, wurde daraus offiziell die Deutsche Film-AG (Defa).

Die Babelsberger Filmproduktion in den letzten Monaten vor der Kapitulation, die Kinosituation unmittelbar nach Ende des Krieges und nicht zuletzt die ideologische Umerziehung mittels des Filmes – diesen Themen widmet sich die Auftaktveranstaltung der Potsdamer Gespräche im Filmmuseum. Bis Dezember werden Potsdamer Experten auf das kulturelle Leben in Brandenburg blicken und anhand von Dokumentaraufnahmen und Spielfilmen verschiedene Facetten des Neuanfangs nach 1945 aufzeigen. Am heutigen Dienstag steht „Das Ende des Krieges und der Film“ auf dem Programm. Nicht nur weil das Filmmuseum Austragungsort der Reihe ist, die es zusammen mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) veranstaltet, sondern weil die Filmproduktion als wichtigstes Kulturgut der Stadt angesehen wurde – auch nach Ende des Krieges. „Das war von Anfang an klar“, sagt Ursula von Keitz, Filmwissenschaftlerin und Leiterin des Filmmuseums. „Das gesamte Kulturprogramm in der Sowjetischen Besatzungszone hat gezielt auf den Film gesetzt, weil man dem Film so viel Wirkung zuschrieb.“ Durch die Kraft seiner Bilder hatte man ihm – ob Ost- oder Westalliierte – zugetraut, maßgeblich Umerziehung zu bewirken.

Doch die sogenannte Re-Education oder Re-Orientation stellte die Alliierten vor ganz konkrete Probleme: Nach dem Kinoverbot, das Deutschland wenige Monate nach dem Krieg auferlegt wurde, wurden die ersten Kinos zwar wieder eröffnet, konnten aber kaum bespielt werden. Es fehlte schlicht an Filmen – und an Kopien. Die Umerziehung, so die Erkenntnis, funktionierte nur, wenn die Importfilme in deutscher Fassung oder untertitelt gezeigt werden konnten. „Die Alliierten mussten einsehen, dass sie nicht in der Lage waren, die Kinos in Deutschland zu bespielen“, sagt Filmwissenschaftlerin Ursula von Keitz.

Auch deshalb war die Wiederaufnahme der Produktion in Babelsberg Gebot der Stunde – natürlich unter anderen ideologischen Vorzeichen. Immerhin befanden sich 80 Prozent der Filmproduktionsbetriebe – vom Rohfilmherstellungswerk bis zum Kopierwerk – im Osten des Landes. Hier wird nur die spätere Defa in der Lage sein, eine Neuproduktion aufzubauen. Anders als etwa nach der Wende 1989 wurden die Mitarbeiter der Babelsberger Filmstudios nicht etwa im großen Stil entlassen und ausgetauscht. Von Kontinuitätslinien spricht Ursula von Keitz. Tontechniker, Kameramänner, Lichtspezialisten, Kostümbildner – sie alle wurden weiterbeschäftigt. Lediglich auf der Ebene der Schauspieler und der Regisseure wurde ausgetauscht: Heinrich George, Schauspieler etwa im antisemitischen Propagandafilm „Jud Süß“, wurde von den Sowjets im ehemaligen KZ Sangerhausen interniert, wo er auch umkam. Der Chemiker und Filmtechniker Kurt Maetzig, der sowjetischen Propaganda nicht abgeneigt, wurde hingegen zu einem der Mitbegründer der Defa. Nicht zuletzt ermöglichte es diese Kontinuität an technischem Personal, dass die Dreharbeiten zum ersten Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“ von Wolfgang Staudte bereits im März 1946 begannen – Wochen vor der Gründung der Defa.

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