• Von der Schwierigkeit, einen Schatz zu heben

Kultur : Von der Schwierigkeit, einen Schatz zu heben

Schöne Schenkung: Das Potsdam Museum bereitet Fotos aus dem Nachlass des Bildhauers Walter Bullert für eine Ausstellung vor

Porträt des Künstlers. Der Bildhauer Walter Bullert bei der Arbeit.
Porträt des Künstlers. Der Bildhauer Walter Bullert bei der Arbeit.Foto: Max Baur

Dem Werk von Walter Bullert begegnet man in dieser Stadt an vielen Orten: Der Maler, Grafiker und Bildhauer schuf Büsten und Plastiken in öffentlichen Räumen, etwa die Büsten von Rosa Luxemburg und Albert Einstein (beide 1952). Stadtbildprägend ist auch die Gedenktafel für Max Dortu von 1948 und das Graffito für den Schalterraum einer Sparkassenfiliale in Potsdam-West, das bei Umbauarbeiten 1990 allerdings zerstört wurde. Auch in der Presse fand man seine Werke, Bullert arbeitete jahrelang als Pressezeichner und Buchgestalter.

Am 9. August wird im Alten Rathaus eine Sonderausstellung über Leben und Werk von Walter Bullert eröffnet. Wichtige Quellen und Objekte sind dabei über 100 Fotos, eine Sammlung, die kürzlich als Schenkung dem Potsdam Museum von Bullerts Tochter Elke Spuler-Bullert überlassen wurde.

Walter Bullert ist nicht nur in künstlerischer Hinsicht interessant. Der 1986 als 90-Jähriger Verstorbene spiegelt das Leben eines Potsdamers, der zwei Weltkriege und mehrere Umbrüche erlebte – vom Kaiserreich bis hin zum sozialistischen Staat. Bullert hatte sich als freischaffender Künstler durch die Nazizeit manövriert und widmete sich dann dem Wiederaufbau der DDR.

Derzeit werden die Fotos im Depot des Potsdam Museums auf Hermannswerder durchgesehen, nach Schäden untersucht und archiviert. Das sei Routine bei Neuerwerbungen und auch bei Schenkungen, sagt Museumskonservator Oliver Max Wenske. Viele Bürger überlassen dem Museum Kunstgegenstände, Bilder, ganze Fotosammlungen. Doch so schön es ist, wenn das Museum etwas geschenkt bekommt – es ist dennoch mit reichlich Aufwand verbunden. Was oft jahrelang auf einem Dachboden lagerte, muss vorsichtig begutachtet werden. Ist das Foto nur oberflächlich verschmutzt oder muss es komplett auseinandergenommen und der originale Rahmen entfernt werden? Man wolle sich ja keinen Schimmel ins Haus holen, der sich dann ausbreitet, sagt Wenske.

Die Bullert-Ausstellung zeigt Werke des Malers und Bildhauers – aber auch ihn selbst beim Arbeiten im Atelier: Bullert auf der Leiter an einer Skulptur stehend, im Gespräch mit Kollegen: „Hier sieht man, wie das Netzwerk des Künstlers zu DDR-Zeiten funktionierte“, sagt Museumschefin Jutta Götzmann begeistert.

Die meisten Fotos hat der Potsdamer Fotograf Max Baur aufgenommen. Somit bedeutet die Schenkung einen doppelten Schatz. Denn Baur war ein gefragter Kollege der Künstlerszene. Er wusste, wie man Werke gut in Szene setzt und fotografisch festhält. So hat er fast sämtliche Häuser der Architekten Helmut von Estorff und Gerhard Winkler fotografiert, Eigenheimsiedlungen in der Berliner und Nauener Vorstadt wie die Langhansstraße. „Er wusste, wie man die Verbindung Haus und Garten im Sinne der Architekten ins Bild setzt“, sagt Götzmann. Eine Ausstellung zu Max Baur ist für 2018 geplant. Steffi Pyanoe

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