• Von Astrid Priebs-Tröger: Salondame Literatur

Von Astrid Priebs-Tröger : Salondame Literatur

Gabriele Gäbelein eröffnete mit ihrer Agentur „Literaturgenuss“ eine Schule des Lesens

Astrid Priebs-Tröger
Für mehr Lesevergnügen. Die Germanistin Gabriele Gäbelein möchte einen Literatursalon in Babelsberg gründen.
Für mehr Lesevergnügen. Die Germanistin Gabriele Gäbelein möchte einen Literatursalon in Babelsberg gründen.Foto: Andreas Klaer

Sie finden keinen Zugang zum neuesten Roman? Gabriele Gäbelein kann für Abhilfe sorgen. Die gebürtige Kölnerin gründete im vergangenen Jahr die Agentur „Literaturgenuss“ in Babelsberg und rief inzwischen einen Senioren-Lesekreis im Kurfürstenstift ins Leben. In naher Zukunft möchte sie zudem einen Literatur-Salon in Babelsberg etablieren.

Sie weiß, dass Lesen zumeist ein ziemlich einsames Vergnügen ist. Auch wenn Vorlesen in literarischen Salons zunehmend beliebter wird oder Buchempfehlungen und -besprechungen in keinem der Medien fehlen. Aber die meisten Menschen lesen still vor sich hin, tauschen sich nur hin und wieder mit anderen Literaturliebhabern über ihre Lektüre aus und suchen wahrscheinlich höchst selten die Hilfe von Spezialisten.

Gabriele Gäbelein hat selbst schon immer gern gelesen und wollte auch wissen, wie Autoren ihre Absichten „technisch“ umsetzen. Kriminalromane sind ihr Steckenpferd und auch sogenannte Frauenliteratur und Historisches gehören zu ihren bevorzugten Stoffen. Nach ihrem Schulabschluss arbeitete sie lange im Büro, ehe sie sich entschloss, mit Ende 20 das Abitur nachzuholen und anschließend in Köln Anglistik, Kunstgeschichte und Germanistik zu studieren. Parallel zur Büroarbeit. Denn es hat eine Weile gedauert, ehe Gabriele Gäbelein wusste, was sie beruflich wirklich will. Vor sieben Jahren ist sie mit ihrer Familie nach Potsdam gezogen und begann 2005, eine Literaturagentur aufzubauen. Das ist ihr bald über den Kopf gewachsen. Es kamen zwar jede Menge Manuskripte aus ganz Deutschland, auch sehr interessante, wie die 46-Jährige sagt. Aber sie hatte es sich doch zu leicht vorgestellt, diese in Verlagen unterzubringen. Dazu braucht man sehr gute Verbindungen in diesem heiß umkämpften Markt und einen langen Atem, den sie nach der Geburt ihres zweiten Sohnes nicht aufbringen konnte.

Stattdessen überlegte sie sich, wie sie ihre literaturwissenschaftlichen Qualifikationen und eigene Schreiberfahrungen unter einen Hut bringen kann. Die Idee für „Literaturgenuss“ entstand. Ihr künftiger Literatur-Salon in Babelsberg soll als Anlaufpunkt für Leser aller Altersklassen Kurse zum Lesen, zum kreativen Schreiben, thematische Vorlesereihen oder auch gezielte Vorbereitung zur Teilnahme auf Schreibwettbewerbe bieten. Bisher geht sie auf Kulturhäuser oder Einrichtungen zu und bietet ihre Dienste an.

Im vergangenen Sommer hat sie alle Potsdamer Seniorenheime angeschrieben und auch erste Erfahrungen mit Vorlesenachmittagen an der Internationalen Schule gesammelt. Mit den Damen aus dem Kurfürstenstift trifft sie sich inzwischen allwöchentlich und berichtet, dass sie sich mit so unterschiedlichen Werken wie Patrick Süßkinds „Parfüm“ oder Jeremias Gotthelfs Erzählung „Die Schwarze Spinne“ beschäftigt haben. Gabriele Gäbelein bietet Hilfestellungen bei der Analyse von Erzählstrukturen und hat es schon geschafft, dass ihre Mitleserinnen Bücher, die sie anfangs ablehnten, doch wieder zur Hand nahmen, weil sie jetzt verstanden, wie das Buch funktioniert.

Ihre Schule des Lesens ist jedoch nicht als trockene theoretische Unterrichtsstunde zu begreifen. Im Gegenteil. Gabriele Gäbelein sucht auch den Austausch mit Gleichgesinnten und profitiert selbst davon, wenn sich mehrere Leute mit ihren ganz unterschiedlichen (Lese-)Erfahrungen einem literarischen Stoff wie Julia Francks „Mittagsfrau“ nähern.

www.literaturgenuss.de

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