• Von Astrid Priebs-Tröger: Glashart, filigran und zart

Von Astrid Priebs-Tröger : Glashart, filigran und zart

Glasdesign, Aquarellmalerei, Keramik und Textilkunst auf der Freundschaftsinsel

Astrid Priebs-Tröger

Der Ort, das Konzept und der Zeitpunkt sind gut gewählt. Gerade hat die Natur ihr Winterkleid abgelegt und erste Frühlingsboten zeigen sich, da haben sich im Pavillon auf der Freundschaftsinsel vier Künstlerinnen zu einer Gemeinschaftsausstellung zusammengefunden, die wunderbar in diese „Zwischenzeit“ passt. Birgitta Aßauer, Corinna Dahme, Ruth Peschel und Christina Vierke drücken sich künstlerisch mit sehr unterschiedlichen Mitteln und Materialien aus und scheinen nicht nur deswegen in „glashart, filigran und zart“ so gut miteinander zu harmonieren.

Unmittelbar in der Nähe des Eingangs hängen ein Dutzend sehr schöner Blumenaquarelle der 75-jährigen Ruth Peschel. Die Begeisterung der Grafikerin für Naturbeobachtung ist in jedem dieser ungemein liebevoll gestalteten Blätter zu spüren und die Wicken, Pfingstrosen und Leberblumen wirken beinahe so, als seien sie gerade im Garten ausgegraben worden. Dass dieser das zu dieser Jahreszeit noch nicht zu bieten hat, wird einem schnell klar, wenn man den Blick durch den allseits transparenten Ausstellungsraum nach draußen schweifen lässt.

Dabei fallen einem sofort die zahlreichen gläsernen Exponate von Birgitta Aßauer ins Auge. Ungewöhnliche Paravents, Fensterbilder und Glastische überzeugen durch ihre klare Formensprache. Hauptsächlich geometrische Grundmuster wie zum Beispiel Mäander sind mittels Sandstrahlen in die durchsichtigen Untergründe eingearbeitet und bieten ein großes Spektrum an visuellen Reizen. Das mattierte Glas wirft Schatten, es verliert seine Durchsichtigkeit, behält dabei aber trotzdem seine Transparenz. Es reflektiert und spiegelt zugleich. Dabei hat man zuweilen die Anmutung, als stünde man vor einem zugefrorenen Gewässer, das durch die ersten Sonnenstrahlen gerade wieder in seine ursprüngliche Form gebracht wird.

Vom ersten Licht profitierten wohl auch die zarten textilen Gebilde von Christina Vierke. Für die Gemeinschaftsausstellung hat die vielseitige Potsdamer Künstlerin Blüten ganz besonderer Art entworfen. Aus transparenten pastellfarbenen Stoffen gefertigt, hängen sie kopfüber an riesigen „Stängeln“. Dabei sind sie „in Bewegung“ oder ermöglichen auch eine „Stadtdurchsicht“. Mit zarten Strichen sind dabei ganze Straßenzüge in die Blütenblätter eingraviert. In ihrer fließenden Materialität bilden sie einen wunderbaren Kontrast zu den floralen keramischen Objekten von Corinna Dahme.

Diese zeigt nicht nur brüchige und vergehende Strukturen, wie in ihrer fahlen „Winterblume“, in die der natürliche Trocknungsprozess kongenial Eingang gefunden hat, sondern auch weit geöffnete, fast gierig anmutende Fruchtblätter mit orangefarbenem Innenleben. Alle Exponate stehen außerdem in Korrespondenz zu einem frischen Strauß gelber Tulpen und zu mehreren Vasen mit Zweigen des geflügelten Pfaffenhutes, die mit Flechten und Moosen besetzt, dem aufmerksamen Betrachter viel Respekt für die kleinen und großen Wunder der Natur abnötigen.

Dass die vier Künstlerinnen sich hier gemeinsam präsentieren können, haben sie Elena von Martens zu verdanken, die die überzeugende Idee entwickelte und mit viel Liebe fürs Detail umgesetzt hat.

Ausstellung im Pavillon auf der Freundschaftsinsel bis 12. April, geöffnet von Mittwoch bis Sonntag, von 12 bis 18 Uhr.

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