• Von Astrid Priebs-Tröger: Auf den Augenblick konzentrieren

Von Astrid Priebs-Tröger : Auf den Augenblick konzentrieren

Die Schauspielerin Nadja Uhl eröffnete zum Potsdamer Film-Jahr 2011 eine Retrospektive ihrer Filme

Astrid Priebs-Tröger
Stille vor dem Augenblick. Nadja Uhl erklärte Knut Elstermann im Filmmuseum, dass es in der Schauspielerei vor allem auf die Konzentration ankommt.
Stille vor dem Augenblick. Nadja Uhl erklärte Knut Elstermann im Filmmuseum, dass es in der Schauspielerei vor allem auf die...Foto: Manfred Thomas

Gleich drei Höhepunkte erwarteten die Kinobesucher am Freitagabend. Im Filmmuseum wurden der mit dem Silbernen Bären ausgezeichnete Film „Die Stille nach dem Schuss“ und der Oscar nominierte Streifen „Die Zwillinge“ von 2003 gezeigt. In beiden spielt die Potsdamer Schauspielerin Nadja Uhl tragende Rollen. Die sympathische 38-Jährige ließ es sich nicht nehmen, ihre erste Retrospektive mit insgesamt sechs Filmen, die am Beginn des Potsdamer Film-Jahres 2011 gezeigt werden, mit einem Gespräch mit rbb-Moderator Knut Elstermann zu eröffnen.

Statt glamourös über den roten Teppich kam sie unmittelbar nach der Vorstellung von „Die Zwillinge“ ganz unspektakulär – in Jeans, Pullover und Wildlederstiefeln – auf die Bühne und ließ, anders als Elstermann, den Zuschauern noch einen kurzen Moment der Besinnung, das gerade Gesehene zu verdauen. Denn der Film von Ben Sombogaart, der am Schicksal eines getrennten Zwillingspaars die Verletzungen und Missverständnisse zwischen den Niederlanden und Deutschland vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges thematisiert, berührte die Zuschauer im bis auf den letzten Platz besetzen Kino nachhaltig.

Nadja Uhl hatte ihn sich ausdrücklich für ihre erste Retrospektive gewünscht. „Zwillinge“ war bisher in den Niederlanden am erfolgreichsten, in Deutschland hingegen fand er kein größeres Publikum. Nadja Uhl erzählte, dass sie erst spät von der Oscar-Nominierung des Films erfuhr, denn nachdem sich Deutschland nicht an der Produktion des Streifens beteiligt hatte, sollte es, so die Produzenten, auch nicht an seinem spektakulären Erfolg teilhaben. Nadja Uhl schwärmte stattdessen von der großartigen Teamarbeit mit den niederländischen Kollegen und wünschte sich, dass die Ressentiments, die während der Dreharbeiten vor allem durch die niederländische Presse geschürt wurden, endlich der Vergangenheit angehören.

Danach ging es locker und zuweilen anekdotisch durch die vielfarbige Schauspieler-Biografie, die Anfang der 90er Jahre, nach dem ersten Engagement am Potsdamer Hans Otto Theater geradlinig und bald erfolgreich ins Filmgeschäft führte. Knut Elstermann forschte auch immer wieder nach dem Geheimnis ihrer besonderen spielerischen Präsenz und ließ en passant einiges zu den weiteren Streifen der Retrospektive in das Gespräch einfließen. Nadja Uhl zeigte sich dabei sehr natürlich und immer wieder auch tiefgründig reflektierend. Themen wie schauspielerische Verantwortung, Selbstreflexion und Verwurzelung beleuchtete sie pointiert. An manchen Stellen hätte man sich gewünscht, dass Elstermann seiner besonnenen Gesprächspartnerin nicht so schnell das Wort entzieht.

Besonders anrührend war Nadja Uhls Bekenntnis, dass sie im Vorfeld eines Films oft Angst vor den Rollen hat und wie im Falle von „Die Stille nach dem Schuss“ sich als „Anfängerin“ dennoch traute, Regisseur Volker Schlöndorff vorzuschlagen, dass er sie genau für die andere, nämlich die Rolle der Arbeiterin Tatjana besetzen solle, die schließlich auch ihr filmischer Durchbruch wurde. Wie sehr sie sich einbringt, war auch zu spüren, als sie erzählte, wie sich die Entwicklung ihrer Mutterrolle im demnächst anlaufenden Film „Dschungelkind“ gestaltete, wo sie aus anfänglicher Wut über ein traditionelles Frauenbild eine ganz eigene Produktivität entwickelte.

Das Geheimnis ihres Erfolges sieht sie indessen in ihren schauspielerischen und familiären Wurzeln. Sie beherzige nach wie vor die Empfehlungen ihrer ersten Lehrer in Leipzig, die ihr und den anderen Studenten die Aufforderung „Konzentriert euch auf den Augenblick!“ mit auf den Weg gaben. Das sei es, was sie neben ihren Mutterpflichten immer wieder erde. Das hindere sie auch daran, irgendwelchen Traumrollen hinterher zu jagen. Stattdessen strahlt sie eine bewundernswerte Gelassenheit und tiefe Dankbarkeit aus, für das, was beinahe wie von selbst passiert.

Die Reihe wird im Februar fortgesetzt mit „Der Baader Meinhof Komplex“, „Mogadischu“ , „So glücklich war ich noch nie“ und „Der Tote im Spreewald“. Infos unter www.filmmuseum-potsdam.de

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