• Vom Blues lässt er seine Finger nicht

Kultur : Vom Blues lässt er seine Finger nicht

Nach dreijähriger Pause meldet sich Peter Schmidt mit East Blues Experience zurück

Dirk Becker

Klischees bedient Peter Schmidt nur äußerlich. Lange Haare, Bart, schwere Ringe an den Fingern, auf seinem Shirt in breiter Schrift: Harley Davidson. Die amerikanische Motorradmarke, das Kultspielzeug für die harten Jungs. Auf der Bühne trägt Peter Schmidt mit Vorliebe Lederweste und ausgewaschene Holzfällerhemden, ärmellos, die Tattoos auf den breiten Oberarmen weithin sichtbar. Und wenn er seine abgewetzte Fender Stratocaster sprechen lässt, ein Modell, gewidmet dem großen Gitarristen Stevie Ray Vaughan, dann ist das Bild perfekt, das man sich vom harten Rocker macht. Doch wie gesagt, das stimmt nur äußerlich.

Zum Gespräch sind wir in einem Potsdamer Café verabredet. Peter Schmidt bestellt sich Tee, grünen Tee. Innerhalb von anderthalb Stunden gleich zweimal. Krank ist er nicht. Es ist einfach nur so, dass er entgegen der Vorstellung, die man so vom gestandenen Bluesmusiker hat, sich aus Alkohol nichts macht.

East Blues Experience sind wieder da. Nach drei Jahren melden sich Sänger und Gitarrist Peter Schmidt, Schlagzeuger Ronny Dehn und Bassist Rainer Engelmann mit dem Album „V 10“ zurück. Morgen Abend werden East Blues Experience im Lindenpark ihre Record Release Konzert feiern. Wer die früheren Konzerte erlebt hat, weiß, was ihn erwarten wird: Die volle Packung in Sachen rauem und ungeschliffenen Bluesrock.

15 Jahre lang hatte Peter Schmidt sein Leben nach dem Kalender von East Blues Experience ausgerichtet. Die Band, die er gegründete hatte und mit der er sich europaweit einen Namen als Gitarrist und Sänger gemacht hat. „Aber es kam der Punkt, da musste ich was anderes machen“, sagt Peter Schmidt. Bei seinen Bandkollegen hatte seine Entscheidung regelrecht eine Schockwirkung ausgelöst. Doch sie kannten Peter Schmidt gut genug. „Die wussten, das ist nicht einfach nur ein Luftballon.“

In Stralsund geboren, hat Peter Schmidt als kleiner Junge die Geige seines Großvaters traktiert. Im Radio hörte er die Rolling Stones und die Beatles, für seinen Großvater eine Form der Musik, die den Untergang des Abendlandes einläutete. Doch Peter Schmidt war fasziniert und funktionierte Großvaters Geige zur Gitarre um. „Viele dieser Lieder hatten den Blues als Grundlage, die Akkordfolge hatte ich schnell herausgehört“, erinnert sich Schmidt. Weil sein Großvater aber wenig Begeisterung zeigte, als er entdeckte, was sein Enkel mit seiner Geige anstellte, bekam Peter Schmidt seine erste Gitarre geschenkt, eine Konzertgitarre. „Mit “ner Palme drauf. 1960 war das.“

Erzählt Peter Schmidt von dieser Zeit, dann reiht er Anekdote an Anekdote. Eines wird dabei schnell klar: Peter Schmidt hat als Kind schon entdeckt, wo seine Profession liegt. Die Musik wurde ihm zur Obsession. Mit einem Schulfreund lernte er die Listen der aktuellen Hitparade auswendig, saß gespannt vor dem Radio und hoffte darauf, dass der Empfang von „Radio Luxemburg“ gut genug sei, damit er ihn wieder hören konnte: Jimi Hendrix mit „Hey Joe“.

Peter Schmidt spricht von einer Initialzündung, als er Jimi Hendrix zum ersten Mal hörte. „Dieser klare Ton und was Hendrix daraus machte, das hat mich umgehauen.“ 1972 gab Peter Schmidt sein erstes Konzert, in Stralsund, ein altes Röhrenradio als Verstärker. „Und mit Korkenzieherkabel, so wie Jimi.“ Konzerte hat er seit dieser Zeit unzählige gegeben. Der Blues blieb die Konstante. Er hat mit Peter Green, Luther Allison und Louisiana Red gespielt, um nur ein paar der bekannten Bluesmusiker zu nennen. Mit East Blues Experience ist er in den bekanntesten Clubs in Europa aufgetreten, er ist durch die USA getourt. Es hat etwas gedauert, bis Peter Schmidt nach der Trennung vor der Jahren erkannt hat, was er an seiner Band East Bluse Experience hatte.

Peter Schmidt, der seit Jahren schon in Potsdam lebt, hat während der Auszeit neue Lieder geschrieben, hat mit anderen Bands zusammen gespielt. Manchmal hat er gemerkt, dass etwas fehlte. Er nennt musikalische Verlässlichkeit. Nach zwei Jahren Pause spielte er mal wieder mit Schlagzeuger Ronny Dehn und dem Bassisten Rainer Engelmann zusammen. Da war es, dieses blinde Vertrauen, diese musikalische Verlässlichkeit, die er nur bei diesen Musikern hat. Dehn und Engelmann riefen ihn später an und fragten, ob sie sich nicht wieder zusammenraufen sollten. Peter Schmidt musste nicht lange überlegen.

Nach all den Jahren hat er ihn noch immer, den Blues. Peter Schmidt wird ihn nicht los. Will er auch nicht. Fragt man, was Blues für ihn bedeutet, zeigt der 52-Jährige auf einen Schriftzug auf einer Wand im Café. „Das Leben ist schön“, steht da. Er meint das nicht ironisch. „Du musst Dein Leben mit den Höhen und Tiefen akzeptieren.“ Aus Herzleid und Selbstmitleid allein entsteht keine Musik und auch kein Blues. Für Klischees ist Peter Schmidt einfach nicht zu haben.

Die Record Release Konzert von East Blues Experience beginnt morgen um 21 Uhr im Lindenpark, Stahnsdorfer Straße 76-78. Der Eintritt an der Abendkasse kostet 15 Euro. Weitere Informationen unter:

www.east-blues-experience.de