• Voller Geschichte, voller Erzählungen

Kultur : Voller Geschichte, voller Erzählungen

Der niederländische Autor Geert Mak auf den Spuren von John Steinbeck. Am Mittwoch stellt er sein neues Buch „Amerika!“ in der Kleist-Schule vor

Daniel Flügel
Eine Reise durch Kontinent und Zeit. Was ist aus dem großen amerikanischen Traum geworden, dem Wohlstand, der Rastlosigkeit, der unerschütterlichen Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten? Davon erzählt Geert Mak.Alle Bilder anzeigen
Foto: AFP
10.05.2013 21:05Eine Reise durch Kontinent und Zeit. Was ist aus dem großen amerikanischen Traum geworden, dem Wohlstand, der Rastlosigkeit, der...

„Es ist ein unfreundliches Land geworden“, berichtet der alte Farmer etwas traurig in einem Diner, in dem ein paar Männer in karierten Hemden gewaltige Omeletts verspeisen. Kurz hinter der Stadt Fargo in North Dakota erstreckt sich die Endlosigkeit der Great Plains, die Wüste aus bräunlichem Gras im Herzen Amerikas, von dessen Bewohnern mittlerweile vier Fünftel in einer Stadt oder einer Suburb leben. Viele Jahre hat der Alte hier eine Farm bewirtschaftet zu einer Zeit, als es noch eine ganze Reihe von Farmen gab und praktisch jeder jeden kannte. Das Land habe damals noch nicht so verlassen gewirkt, meint er. „Heute steht manchmal zehn, fünfzehn Meilen weit kein einziges Haus mehr am Weg.“

Es ist eine der vielen Stimmen ganz einfacher Menschen, die der niederländische Autor Geert Mak in sein neues Buch „Amerika! Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ (Siedler Verlag, München, 34,99 Euro) mit einfließen lässt. Dieses Buch, das der 67-Jährige am kommenden Mittwoch in der Kleist-Schule vorstellen wird, ist eine Mischung aus historischer Betrachtung und spannender Reisereportage, darin nicht nur in vielen Exkursen die Geschichte des Landes erzählt wird, sondern auch seine Mythen, sein Selbstverständnis, seine Großartigkeit und Zerrissenheit beschrieben werden.

Geert Mak zählt zu den bekanntesten Publizisten der Niederlande und zu den international wichtigsten Sachbuchautoren. Er ist ein Mann, der oft und gerne reist – eine Leidenschaft, die ihm zuletzt in seinen Bestsellern „In Europa“ oder „Die Brücke von Istanbul“ zugute kam und die er auch für sein neuestes Werk „Amerika“ wieder zu nutzen wusste. Im Jahr 2010 hat Mak drei Monate lang den nordamerikanischen Kontinent bereist, ist er mit dem Pick-Up durch die nördlichen Staaten Amerikas von der Ostküste zur Westküste, dann von Seattle und Oregon aus in Richtung Süden und schließlich wieder ostwärts durch Arizona, Texas und die südlichen Staaten gefahren. Oft in den Drugstores und etlichen Imbisslokalen entlang seiner Route hat er stets das Gespräch mit den meist sehr offenherzigen Menschen gesucht, sich mit Fabrikarbeitern, Farmern, Vertretern, Lehrern oder Künstlern unterhalten und mithin die mentale Befindlichkeit eines Landes erkundet, das er seit jeher liebt und zugleich kritisch betrachtet.

Ganz bewusst ist Geert Mak dabei den Spuren des berühmten amerikanischen Schriftstellers John Steinbeck gefolgt, der seine im Herbst 1960 zusammen mit seinem Hund unternommene „Inspektionsreise“ durch sein Land als „Reise mit Charley“ veröffentlichte. Genau fünfzig Jahre später wiederholt Mak zusammen mit seiner Frau nun die gleiche Reise und hat auch Steinbecks Buch im Gepäck. Und indem er es unterwegs immer wieder hervorholt und bespricht, beschreibt sein Bericht „Amerika!“ nicht nur eine Reise durch den Kontinent, sondern zugleich auch eine Reise durch die Zeit. Denn Mak will erfahren, wohin sich die optimistische Konsumgesellschaft, jene buy-now-pay-later-republic, deren Aufkommen Steinbeck seinerzeit festgestellt hatte, inzwischen entwickelt hat, was aus dem großen amerikanischen Traum geworden ist, dem Wohlstand, der Rastlosigkeit und unerschütterlichen Zuversicht in Gott und die eigenen individuellen Fähigkeiten.

Steht das Land erneut vor einem Umbruch? Wie geht diese Nation ins 21.Jahrhundert, und welche Gemeinsamkeiten verbinden uns Europäer noch immer mit den Amerikanern? In seinem neuen Werk „Amerika!“, einem hervorragend geschriebenen Sachbuch voller Geschichte und voller Erzählungen, hat Geert Mak nun seine Antworten, Überlegungen und mitunter sogar überraschenden Entdeckungen versammelt.

Am Mittwoch, dem 15. Mai um 19 Uhr, stellt Geert Mak sein neues Buch „Amerika! Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ (Siedler Verlag) in der Kleist-Schule, Friedrich-Ebert-Straße 17, vor. Eintritt kostet 7/ ermäßigt 5 Euro

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