• Vincent van Gogh im Museum Barberini: Von erdigen Tönen ins helle Licht

Vincent van Gogh im Museum Barberini : Von erdigen Tönen ins helle Licht

Das Museum Barberini zeigt ab Herbst Stillleben von Vincent van Gogh - leuchtende Bilder mit erdigen Farben.

Farbstark: van Goghs Kastanienblüten.
Farbstark: van Goghs Kastanienblüten.Foto: SIK-ISEA, (J.-P. Kuhn)

Potsdam - Die Kastanienblüte ist dann längst vorbei. Die reifen Früchte werden gerade von den Bäumen fallen, wenn am 26. Oktober das Museum Barberini mit seinen van Gogh-Bildern aufwartet. Mit dabei sind seine „Blühenden Kastanienzweige“ , wie das Museum gestern verkündete. Diese creme-weiße Blütenpracht vor meeresblauem Himmel ist unvergänglich. Auch nach 130 Jahren leuchtet sie wie am ersten Tag und erheitert das Gemüt der Betrachter.

Die Ausstellung „Van Gogh. Stillleben“ sei die erste systematische Würdigung dieses zentralen Themas in einer Ausstellung, heißt es in der Pressemitteilung. Von den rund 800 Gemälden, die Vincent van Gogh (1853-1890) während seines zehnjährigen künstlerischen Schaffens anfertigte, bilden die über 170 Stillleben etwa ein Fünftel. Umso erstaunlicher sei es, dass sich bisher noch keine monographische Ausstellung der Gattung des Stilllebens bei van Gogh gewidmet habe.

Die Beschäftigung mit den Stillleben

Die konzentrierte Auswahl von 26 Gemälden soll nun die Entwicklung seiner Malerei von den erdigen Tönen und den einfachen Alltagsgegenständen des Frühwerks über die Blumenstillleben seiner Zeit in Paris bis zu den lichten, energiegeladenen Motiven des Südens nachzeichnen. Immer wieder widmete sich der Künstler diesem Thema: in den ersten noch erhaltenen Gemälden, wie „Stillleben mit Kohl und Holzschuhen“ aus dem Van Gogh Museum, Amsterdam – entstanden Ende 1881 in Den Haag – oder bei den farbstarken Blumenbildern aus seinen letzten Lebensmonaten 1890 in Auvers-sur-Oise. 

Dazu zählen eben die „Blühenden Kastanienzweige“. Die Ausflüge ins Stillleben unternahm van Gogh auch, weil er etwa Blumengemälde für leichter verkäuflich hielt und sich dabei das Geld für Modelle sparen konnte. Vor allem aber interessierten ihn an diesem Genre die malerischen Mittel und Möglichkeiten, die er immer wieder erprobte: von der Vergewisserung der niederländischen Tradition des 17. Jahrhunderts – zunächst an Rembrandt, später an Jan Davidsz de Heem orientiert – über die Erfassung des Raums mit Licht und Schatten bis zum Experimentieren mit der Farbe. Mit der Wahl unspektakulärer Alltagsgegenstände löste sich Van Gogh um 1884 von der repräsentativen Tradition der niederländischen Stilllebenmalerei.

Reaktion auf Impressionismus

Die Ausstellung werde die künstlerischen Fragestellungen thematisieren und die entscheidenden werkgeschichtlichen und biographischen Etappen Vincent van Goghs nachvollziehen, so die Ankündigung. „Seine Reaktion auf den Impressionismus, den er in Paris zwischen 1886 und 1888 kennenlernte, zeigt sich in den Stillleben ebenso wie seine Verarbeitung von Einflüssen japanischer Farbholzschnitte.“ Darüber hinaus seien viele dieser Werke mit persönlichen Bezügen symbolisch aufgeladen, von Stillleben mit Büchern bis zu den wiederholt gemalten Schuhen. Gerade die Entwicklung zu einem immer freieren, intensiveren Umgang mit Farbe lasse sich anhand der Stillleben rekonstruieren. Auch in seinen Briefen ging van Gogh immer wieder auf die Bedeutung der Stillleben ein.

Die Ausstellung im Museum Barberini entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kröller-Müller Museum in Otterlo und dem Van Gogh Museum Amsterdam und wird darüber hinaus von internationalen Leihgebern wie dem Art Institute of Chicago und der National Gallery of Art in Washington D.C. unterstützt. Die Kastanienblüten kommen aus Zürich. Die Sammlung Bührle schickt sie nach Potsdam. 

>>„Van Gogh. Stillleben“ vom 26. Oktober 2019 bis 2. Februar 2020 im Museum Barberini, Am Alten Markt