Kultur : Viel zu viele Worte

Das 2. Potsdamer Chansonfestival im Schlosstheater konnte nicht wirklich überzeugen

Astrid Priebs-Tröger

Das Theater im Neuen Palais zählt zu den schönsten noch erhaltenen Theaterräumen des 18. Jahrhunderts. In diesem Juwel fand nun am Samstagabend der Endausscheid des diesjährigen 2. Potsdamer Chansonfestivals statt, das durch den Sänger, Songwriter und Entertainer Hadi im vergangenen Jahr erstmals initiiert wurde. Sechs Teilnehmer waren dafür aus rund 80 Bewerbungen aus dem deutschsprachigen Raum ausgewählt worden und stellten sich sowohl dem Publikum als auch einer fachkundigen Jury, die unter anderem mit Bernd Wefelmeyer, Professor an der Potsdamer Filmhochschule, prominent besetzt war.

Jeder der sechs Kandidaten hatte nun Gelegenheit, sich mit drei Titeln zu präsentieren und der Gastgeber selbst gestaltete nach dem Wettbewerb einen eigenen Programmblock mit fünf Darbietungen. Gegen 22.15 Uhr, nach mehr als dreistündigem Programm, das von viel zu vielen Worten über die Sponsoren des privat organisierten Events umrahmt wurde, kam man dann zur Preisverleihung, die verdientermaßen das Frauen-Duo „Grün & Huth“ aus Bonn doppelt für sich entscheiden konnte. Denn sowohl der Publikums- als auch der Jurypreis gingen an Ursula Hoffmann-Grünes und Stephanie Huthmacher, die sich seit Schulzeiten kennen, seit mehr als 20 Jahren gemeinsam auftreten und mit Humor, Tiefsinn und einer gehörigen Portion Selbstironie sowohl über die eigene Sehnsucht nach Ruhm als auch über den besonders guten Durststreckenfreund Heiner, und, als Highlight, ebenso originell wie alltäglich, über die Liebe sangen.

Sie waren mit ihrem umjubelten Auftritt dramaturgisch geschickt genau in der Mitte des Abends platziert, der ansonsten nicht mit Höhepunkten glänzte. Die Melankomiker aus Leipzig, die den zweiten Preis errangen und mit ihrem sächsischem Charme und der Mischung aus Komik und Melancholie das Publikum als Opener anwärmten, wirkten jedoch auf der Schlosstheaterbühne in Jeans, Ringelshirt und Turnschuhen ziemlich deplaziert. Das setzte sich mit anderen Protagonisten fort und man fragte sich, ob nicht beispielsweise das Kabarett am Obelisk ein besser geeigneter Veranstaltungsort wäre. Aber während des ganzen Abends im etwa mit 100 Zuschauern gerade mal halbvollen Schlosstheater beschlich einen immer wieder das Gefühl, dass sich die Veranstalter Juan Carlos Risso (JR Promotions) und Hadi (eigentlich Hans-Dieter Meyer zu Düttingdorf) sowie Moderator Andreas Herrmann vollmundig im Smoking in diesem edlen Ambiente selbst präsentieren wollten.

Und noch etwas fragte man sich. Warum wählten die Veranstalter gerade Potsdam als Ort für ein Chansonfestival, wenn doch seit 15 Jahren in Berlin das größte Chansonfest im deutschsprachigen Raum in der Bar jeder Vernunft etabliert ist und sogar vom Senat öffentlich gefördert wird? Dass dem Potsdamer Festival eine ebensolche Kontinuität beschieden ist, konnte man sich an diesem Abend nicht vorstellen, waren die einzelnen Beiträge zumeist musikalisch gut gemacht aber zum Teil so präsentiert – Wer hat Gina aus Wandlitz bei der Kostümwahl beraten? – dass man froh war, wenn die Nächsten an der Reihe waren. Anknüpfend an die Tradition der 20er Jahre und nicht nur mit einem Auge nach Max Raabe schielend, brachte der Berliner Christoph Sauer dann zum Abschluss noch ein wenig Salonatmosphäre ins Schlosstheater und gewann den 3. Preis. Warum sich die fünfköpfige Jury aber eine Dreiviertelstunde beriet und dann nicht ein Wort darüber verlor, nach welchen Kriterien sie gewertet hatte, blieb ebenfalls Manko der Veranstaltung. Astrid Priebs-Tröger

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