Kultur : Verzwicktes

Premiere der Scharfen Sterne begeisterte

Astrid Priebs-Tröger

Premiere der Scharfen Sterne begeisterte Die lebenserfahrene Blumenverkäuferin Frau Hartmann versteht die Welt nicht mehr. Alle ihre Kunden geben Kontaktanzeigen auf, doch ihren Traummann oder ihre Traumfrau finden Baby, Bu-Bu-Bärchen und Hase auf diesem Wege nicht. Stattdessen sind sie entnervt, verunsichert und wollen sich sogar umbringen. Dabei ist doch alles ganz einfach – lasst Blumen sprechen – und die Liebe kommt von allein. Doch niemand hört auf Frau Hartmann und ihre Geschäfte gehen hundsmiserabel. „In die Liebe ist der Wurm drin“ so ihr Resümee. Und wenn sie „ihren Wirkungskreis nicht auf Trauergebinde beschränken will“, muss sie ihn da wieder rausholen. Beherzt macht sie sich auf den Weg ins Kontaktanzeigenbüro, doch niemand gibt ihr die Adressen der Liebe suchenden Kunden, raffiniert versucht sie dem lebensmüden Liebhaber Blumen zum Sonderpreis aufzuschwatzen – vergeblich - bis sie schließlich die erste Begegnung eines Pärchens zum Desaster werden lässt, weil sie auch hier ihre Blumen anbringen will. „Die Liebe hat sich aus dem Staub gemacht“ und auch der Doktor, der sich angeblich mit ihr auskennt, kann sie nicht wieder zurückbringen. Also alles vergebliche Liebesmüh? Fast konnte man das glauben, wenn man die rasant und spritzig gespielten Szenen der „Scharfen Sterne“ (neun Potsdamer Schüler und Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren) am Freitagabend im T-Werk erlebte. Doch ganz so verhängnisvoll, wie es auch die vielen zitierten Klischees über die Eigenschaften von Frauen und Männern und ihr Verhältnis zueinander den Zuschauer Glauben machen wollen, ist die Liebe denn doch nicht. Denn plötzlich ist sie da – aber nicht so, wie man(n) sie sich vorstellt ... Und auf einmal ist alles ganz einfach für Hase, Britt und die anderen? Tja, wenn man das wüsste! Regisseurin Yasmina Ouakidi, die auch die schnittige Textvorlage schrieb, ist der Spagat gelungen, mit ihren jugendlichen Protagonisten über dieses verzwickte Thema witzig und leicht, ironisch und tiefgründig zu sinnieren. Mit großer Spielfreude und viel Temperament riss das Ensemble, das erst seit neun Monaten gemeinsam probt, das vorwiegend jugendliche Premierenpublikum zu Begeisterungsstürmen hin. Diese waren verdienter Lohn für einen 45-minütigen Abend, der sich sehen lassen kann und an dem alle Spieler (Michael Wagenschütz, Julia Zimmermann, Sally Sohera Schmidt, Peter Scholz, Laura Wizisla, Johannes Rüss, Artjom Antipin, Elisabeth Rößler und Cornelia Bosold) gleichermaßen beteiligt waren. Ermöglicht hat dieses Projekt der Scharfen Sterne, das „Vorsicht Mann! Achtung Frau!“ heißt, das Förderprogramm „5000 x Zukunft“ der Aktion Mensch. Und wenn sich von den jugendlichen Zuschauern jemand für das Theaterspielen in dieser Gruppe interessiert, kann er ja am bevorstehenden Sommerferienworkshop mit dem vielsagenden Titel „Was hab ich mit Shakespeare am Hut?“ oder „Bis es euch gefällt!“ teilnehmen. Vielleicht sieht man sich ja dann zur nächsten Premiere der Scharfen Sterne.Astrid Priebs-Tröger

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