Überregional : Noch einen Prosecco für die Blutsbrüder

THEATER DES WESTENS Mathias Schlung und und Mark Seibert dürfen sich als Abahachi und Ranger in der Musicalversion von „Schuh des Manitu“ heftig anzicken – und am Marterpfahl singen

Patrick Wildermann D
Als Abahachi und Ranger müssen sie in „Schuh des Manitu“ neue Abenteuer bestehen. Weitere Fotos unter www.tagesspiegel.deAlle Bilder anzeigen
04.12.2008 13:02Als Abahachi und Ranger müssen sie in „Schuh des Manitu“ neue Abenteuer bestehen. Weitere Fotos unter www.tagesspiegel.de

Beide haben geweint, wie es sich für anständige, mit Karl May sozialisierte Jungs gehört. Der Tod des stolzen Apachen am Ende des dritten Teils von „Winnetou“ hat sowohl Mathias Schlung als auch Mark Seibert in ihrer Fernsehkindheit tief erschüttert. Er sei ungefähr sieben Jahre alt gewesen, erinnert sich Seibert, und er habe geheult wie ein Schlosshund. Schlung ging es nicht anders, und noch heute klingt ihm der vergebliche Trost der Mutter im Ohr: „Junge, ist doch nur ein Film.“ Er setzt ein ernstes Gesicht zur Indianerperücke auf und sagt: „Vielleicht war Winnetous Tod der traurige Schritt in die Welt der Erwachsenen.“

Mathias Schlung und Mark Seibert sind heute Blutsbrüder, auf der Bühne jedenfalls, sie spielen die Hauptrollen in einer Karl-May-Hommage der etwas anderen Art, in der Musicalversion von Michael „Bully“ Herbigs Erfolgskomödie „Der Schuh des Manitu“. Schlung ist der Häuptling Abahachi (allerdings nicht dessen tuntiger Zwillingsbruder Winnetouch), Seibert spielt den weißen Gefährten Ranger – was passt, denn Seibert wollte schon als Junge immer der Cowboy sein, während Schlung lieber Indianer war.

Herbigs Komödie über das wilde Leben im Westen, den Stamm der Schoschonen und die Umtriebe auf der Puder Rosa Ranch haben in Deutschland fast 12 Millionen Menschen im Kino gesehen, unter ihnen Seibert als einer der Fans der ersten Stunde. Schlung schaute erst die spätere Fassung „Der Schuh des Manitu – Extra Large“, und zwar aus Liebe zu einer Frau, die ihm von der Komödie vorgeschwärmt hatte. Die Romanze ist längst passé, für den Film ist er nach wie vor entflammt. Mittlerweile geht Schlung schon mit Bully unter die Dusche, er sieht sich jeden Morgen auf einem Fernseher im Bad den „Schuh“ an, auch beim Rasieren.

Beide betonen, dass es in dem Manitu-Musical nicht darum gehen könne, die berühmten Vorbilder nur zu kopieren – orientieren werden sie sich an Bully Herbig und Christian Tramitz, das schon, „aber jede Rolle“, sagt Schlung, „wird doch durch die Persönlichkeit des Schauspielers zum Leben erweckt“. Außerdem gibt es bei Bully, der als künstlerischer Berater fungiert und im Vorfeld darüber wachte, dass sein Indianerbaby nicht in falsche Hände gerät, eben keinen Gesang. Pathetische Westernmotive nach Art von Martin Böttchers Karl-May-Kompositionen werden zu hören sein, „aber auch ein Jodelsong oder ein Ouzo-Lied“, erzählt Schlung; ebenso eine große Broadway-Nummer, bei der die Schoschonen Chorus-Line tanzen.

Sicher, die Handlung, die John von Düffel für die Bühne adaptiert hat, folgt dem Film. Und auf eine legendäre Szene wie jene, in der die Blutsbrüder an den Marterpfahl gefesselt sind und Ranger schimpft: „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“, werden Fans nicht verzichten müssen. Diese Streitereien machen Schlung und Seibert ohnehin am meisten Spaß. Auch der Eklat am Ende, als es fast zur Trennung kommt: „Er gibt mir meine Zahnbürste zurück“, erzählt Seibert, „ich ihm seine Friedenspfeife.“ Schlung stimmt zu: „Das sind wirklich Szenen einer Ehe.“

Patrick Wildermann

Premiere 7.12. Vorstellungen ab 10.12.: Di, Do, Fr, Sa und So 19.30 Uhr; Mi 18.30 Uhr; Sa/So auch 14.30 Uhr

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